Herumgesprochen hatte es sich schon in Barnimer Wirtschaftskreisen. Noch im zurückliegenden Jahr kam das insolvente Holzkraftwerk unter den Hammer. Nun liegt die Geschäftsführung bei der 1Heiz Energie GmbH. "Nach kurzer Betriebspause haben wir den Betrieb am 1. Februar wieder aufgenommen", bestätigt Geschäftsführer Mirko Panzer.
Einzelheiten zum Erwerb will der neue Firmenchef jedoch nicht preisgeben. "Zu Kaufpreisen wollen wir uns nicht äußern, darüber wurde Stillschweigen vereinbart", heißt es auf Nachfrage. Mit der 1Heiz Pellets AG, die in Leipzig sitzt, hat das neue Unternehmen nun die gleiche Betreibergesellschaft beziehungsweise Inhaber wie das benachbarte Pelletwerk an der Angermünder Straße.
Bis Ende 2014 lief der Betrieb des Kraftwerkes, das aus Frischholz Strom und Wärme herstellt, den Firmenangaben nach unter Zuständigkeit des Insolvenzverwalters. Im Juni 2011 hatte das Hokawe Konkurs angemeldet. Als Insolvenzverwalter wurde Christian Graf Brockdorff von der Kanzlei BBL & Partner mit Sitz in Potsdam eingesetzt, der in Eberswalde bereits die Walzwerk Finow GmbH aus ihrer ersten Insolvenz herausgeführt hatte.
Für das frühere Hokawe, das den Verlautbarungen zufolge damals nach dem Ausfall einer Turbine in wirtschaftliche Schieflage geraten war, hatte Brockdorff zunächst für Anfang 2013 mit der Entscheidung über einen Investor gerechnet. Im Sommer darauf stellte er einen normalen Geschäftsbetrieb für Anfang 2014 in Aussicht. Warum es nun noch ein Jahr gedauert hat, bleibt vorerst offen. Der Insolvenzverwalter war trotz mehrmaliger Nachfragen bis Redaktionsschluss am Montagabend für Einzelheiten oder auch generelle Aussagen nicht zu erreichen.
In die Schlagzeilen geraten war das einstige Hokawe auch nach der Insolvenzerklärung. So wurde bei einem Großbrand auf dem Gelände im November 2012 einer der Kühltürme zerstört. Ein Jahr später stellte die Europäische Kommission fest, dass das Hokawe in den fünf Jahren seines regulären Betriebs rechtswidrig staatliche Beihilfen kassiert hatte. Die Bundesrepublik sollte 2,4 Millionen Euro zurückfordern - die Differenz zwischen dem tatsächlich gezahlten und dem marktüblichen Holzpreis war durch eine Vereinbarung mit dem Land Brandenburg über die Lieferung von Holz aus Landeswald zustande gekommen.
Zuletzt sorgte vor einem Jahr der Abschlussbericht von Barnims Landrat Bodo Ihrke (SPD) zum gescheiterten Kauf des Hokawes durch den Kreis, der bereit war, das Biomassekraftwerk für fast 17 Millionen Euro zu übernehmen, noch einmal für Nachrichten. Vor allem der Versuch, das Werk kommunal weiterzubetreiben, hatte schließlich die Gemüter erregt. Den Kreis kostete er 230 000 Euro.
Firmenchef Panzer hofft nun, das Werk unbeschadet von Schlagzeilen in stabiles Fahrwasser zu bringen. "Alle Mitarbeiter sind übernommen worden, alle kommen aus der Region", so der Geschäftsführer. In Kraftwerk und Pelletwerk, das die überschüssige Wärme aus der Stromproduktion zum Trocknen von Sägespänen und somit zur Herstellung der Holzpellets verwendet, seien insgesamt rund 45 Menschen beschäftigt.
Der Beschreibung zur Insolvenzversteigerung im Dezember nach kann das Holzkraftwerk jährlich etwa 160 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren - das wäre genug, um mehr als 40 000 Haushalte zu versorgen. Im Jahr würden dafür 160 000 bis 200 000 Tonnen Holz benötigt - das Gewicht eines gigantischen Containerschiffes.