Der Kauf des angeschlagenen Holzkraftwerkes HOKAWE würde für den Kreis Barnim Kosten von beinahe 17 Millionen Euro mit sich bringen. Das geht aus einem Gutachten hervor, das den Kreistagsabgeordneten als Entscheidungshilfe dienen soll.
Schon seit dem Sommer vorigen Jahres kämpft Barnims Landrat Bodo Ihrke (SPD) vor und vor allem hinter den Kulissen dafür, dass das Kraftwerk in den Besitz des Kreises übergehen kann. Seit das von der Politik einst mit Lob überhäufte und reichlich mit Fördergeldern ausgestattete Unternehmen insolvent ist, weist Bodo Ihrke darauf hin, wie wichtig sein Erhalt für die Energiebilanz des Kreises wäre. Es gehe darum, regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken, Arbeitsplätze zu retten und zu schaffen und nicht zuletzt das Klima zu schützen. Vorbehaltlos steht bislang nur die SPD-Fraktion hinter den Plänen ihres Landrats. Die CDU hat erklären lassen, dass sie keine Einwände habe, solange bei dem wirtschaftlichen Engagement unterm Strich wenigstens eine schwarze Null stehe. Die FDP sowie Grüne/Bündnis für ein demokratisches Eberswalde sind skeptischer, haben aber ebenfalls mehrheitlich einem 30 000 Euro teuren Prüfauftrag zugestimmt, der klären soll, ob der Kauf des HOKAWE eine ökologische Chance oder ein ökonomisches Abenteuer wäre.
Das bei der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Dr. Heilmaier & Partner mit Sitz in Krefeld bestellte Gutachten liegt jetzt vor. Bisher hat sich nur eine überfraktionelle Arbeitsgruppe mit dem Papier befasst. Die Öffentlichkeit war zu der ersten Runde, die Anfang Januar zusammenkam, weder geladen noch ausgeschlossen. Bevor vermutlich im März ein Sonderkreistag über den Kauf des HOKAWE abstimmen wird, müssen noch die Fachausschüsse Stellung nehmen.
In dem Gutachten wird von einem Kaufpreis ausgegangen, der sich auf sieben Millionen Euro beläuft, von denen eine Million Euro auf die zu übernehmenden Grundstücke entfallen. Der Erwerb wäre nicht durch den Kreis selbst, sondern durch eine extra zu gründende Tochtergesellschaft vorzunehmen. Die Wirtschaftsprüfer betonen, dass mit dem Erwerb die Arbeit noch längst nicht erledigt wäre. Sie weisen darauf hin, dass das Holzkraftwerk aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten zwingend aufgerüstet werden müsste. Die bisher stromgeführte soll sich in eine wärmegeführte Anlage verwandeln. Ohne nachhaltige Veränderungen des Geschäftsmodells sei keine positive Ertragslage zu erwarten, warnen die Gutachter. Es erscheine sinnvoll, Wärme für die Fernwärmeversorgung durch die EWE auszukoppeln, die Eigentümerin und Betreiberin mehrerer Blockheizkraftwerke sowie des Fernwärmeversorgungsnetzes in Eberswalde sei. Die Grundlast soll durch Wärmelieferungen aus dem Holzkraftwerk ersetzt werden. Dazu machten sich in erheblichem Umfang Anlageinvestitionen erforderlich - für den Bau von Fernwärmetrassen und die Umrüstung des Kraftwerks. Für den Kauf des HOKAWE sei überdies der Abschluss eines Wärmelieferungsvertrages mit der EWE unabdingbar.
Die Kosten für den Umbau des Kraftwerkes beziffern die Gutachter auf 2,7 Millionen Euro. Die Trassen ins Brandenburgische Viertel, nach Finow Ost, nach Nordend und ins Leibnizviertel werden demnach zusammen 6,1 Millionen Euro teuer. Eine weitere Million Euro würde gebraucht, um ein Holzlager einzurichten und die Anfangsliquidität zu sichern. Das alles ergibt einen Betrag von 16,8 Millionen Euro.
Die Gutachter schlagen dem Kreis vor, die Übernahme des HOKAWE mit einen Kredit in Höhe von 10,58 Millionen Euro zu finanzieren. Zudem mit Zuschüssen und Eigenkapital.