Herr Kerlikofsky, seit Wochenbeginn bietet der Barnim die internetbasierte Fahrzeugzulassung an. Gibt es schon die ersten Online-Anträge?
Noch konnten wir keine Vorgänge registrieren, aber das wird kommen. Wir sind ja etwas später dran als andere Landkreise, eigentlich wollten wir im April starten. Doch es kam zu technischen Verzögerungen. Und Corona kam auch dazwischen. Da mussten wir Personal umsetzen. Jetzt freuen wir uns aber, dass es mit i-Kfz losgeht.
Warum sollten Fahrzeughalter nun i-Kfz nutzen?
In Zeiten von Corona ist i-Kfz eine sehr gute Möglichkeit für Zulassungsvorgänge, weil es kontaktlos abläuft. Außerdem spart es Zeit. Gerade für jemanden, der im Schichtbetrieb arbeitet. Oder einen Familienvater, der am Nachmittag lieber noch zwei Stunden mit seinen Kindern spielen will statt zur Zulassungsstelle zu fahren. Sie haben jetzt die Option, alles bequem am PC zu erledigen. Und das zu jeder Tageszeit. Man kann auch nachtsum 1 Uhr über i-Kfz ein Fahrzeug abmelden, wenn auch unter gewissen Voraussetzungen.
Welche Voraussetzungen sind das?
Wichtig ist: Man braucht einen neuen Personalausweis im Scheckkartenformat. Und dieser muss für die Online-Ausweisfunktion freigeschaltet sein, das nennt sich "eID". Dann braucht man ein Kartenlesegerät oder ein Smartphone mit der AusweisApp2. Darüber kann man sich identifizieren.
Wie ist der weitere Ablauf, zum Beispiel bei der Außerbetriebsetzung eines Autos?
Über www.barnim.de/ikfz kommt man zunächst auf das Portal und wählt den gewünschten Vorgang aus. Nach der Identifizierung nimmt man sich die Kennzeichen und legt den Code der Stempelplakette frei. Auch der Fahrzeugschein ist nötig, auf dem gibt es ebenfalls einen Code. Nach der Bezahlung läuft der weitere Prozess dann vollautomatisch. Das heißt: Das Portal gleicht die Daten in Echtzeit mit dem zentralen Fahrzeugregister ab. Die Versicherung, der Zoll werden über die Außerbetriebsetzung informiert. Den dazugehörigen Bescheid rufen die Antragstellenden selbstständig ab. Da muss nichts mehr verschickt werden. Das gleiche gilt für Adressänderungen oder bei Umschreibungen, sofern das Kennzeichen beibehalten wird.
Welche Zulassungsvorgänge sind online noch möglich?
Die Zulassung von Neufahrzeugen und die Wiederzulassung sind ebenfalls möglich.
Ist das Kennzeichen frei wählbar?
Man wählt im Portal das nächste freie Kennzeichen aus oder ein Wunschkennzeichen. Bei der Wiederzulassung oder Umschreibung kann man die alten Kennzeichen wiederverwenden, solange die alten Kennzeichen reserviert oder noch frei sind. Als Antragsteller muss ich mich eigenständig um neue Kennzeichen kümmern. Diese bekommt man vor Ort beim Schilderpräger oder man bestellt sie im Internet.
Wie lange muss man dann auf die Papiere warten?
Für i-Kfz machen wir täglich am Morgen einen Datenabruf. Danach geht es direkt in die Bearbeitung – und schon mittags mit der Post raus. So können die Papiere innerhalb von zwei bis drei Tagen beim Fahrzeughalter sein.
Als Bezahlmodell gibt es aktuell nur "Giropay". Andere Landkreise wie die Uckermark bieten zusätzlich das Bezahlen mit Kreditkarte an. Wird das auch im Barnim kommen?
Es ist angedacht, die Bezahlmöglichkeiten auch bei uns zu erweitern. Das wird derzeit geprüft.
Kritiker bemängeln oft, dass die Kosten bei i-Kfz zum Teil höher sind als in der Behörde. Für eine Neuzulassung zahlt man online 27,90 Euro statt 27 Euro in der Zulassungsstelle. Warum eigentlich?
Einige Vorgänge sind auch preiswerter. Die Außerbetriebsetzung kostet im Internet nur noch 6,30 Euro statt 7,80 Euro. Zusätzlich spart man sich Zeit und Fahrkosten. Grundsätzlich werden die Gebühren zentral vom Bund vorgegeben. Eine Rolle spielen sicher die Investitionskosten bei der Realisierung des Projekts. Auch wir als Kommune mussten viel investieren.
Läuft der Betrieb in den beiden Zulassungsstellen in Eberswalde und Bernau trotz i-Kfz normal weiter?
Ja, auch wenn es wegen Corona einige Einschränkungen gibt. Wir arbeiten aktuell mit Terminen von Montag bis Samstag. I-Kfz ist nun ein zusätzliches Angebot für Menschen, die sich Zeit ersparen wollen und zeitlich nicht an unsere Öffnungszeiten gebunden sein wollen.

Neuer Service mit verspätetem Start

Das Projekt "i-Kfz" steht für internetbasierte Fahrzeugzulassung und geht auf das Bundesverkehrsministerium zurück.

Im Barnim gibt es seit 2015 die Option, ein Fahrzeug online außer Betrieb zu setzen. Seit 2017 sind Wiederzulassungen möglich. Als dritte Stufe sollte im Oktober 2019 die digitale Zulassung dazukommen. Doch wegen technischer Hürden gab es Verzögerungen – und das bundesweit. Im Barnim ist das Portal seit dem 11. Mai nutzbar. Andere Landkreise bieten die Option des "i-Kfz" schon länger an.

Mehr Informationen online unter: www.barnim.de/ikfz  red