Die Kernthese: Überdurchschnittlich viele Menschen in Führungspositionen weltweit sind Psychopathen. Karen Duve meint das nicht im übertragenen Sinn, sondern ganz konkret, klinisch feststellbar mittels einer Kernspintomografie. Bei diesen Psychopathen seien Areale im Hirn, die für Mitgefühl und Reue zuständig sind, deutlich weniger aktiv. Ein Typus, der viel häufiger bei Männern anzutreffen sei.
Diese Führungsfiguren nennt sie die Durchsetzungsfähigen. Und: "Durchsetzungsfähigkeit und fehlende Rücksicht müssen nicht immer mit Kompetenz einhergehen", wie sie sagt. Die seien so gefährlich, weil ihre Entscheidungen Folgen nach sich zögen. Folgen, die größer gar nicht sein könnten: Es geht Karen Duve um den Weltuntergang.
Eigentlich hat die 53-Jährige gerade für einen Science-Fiction-Roman recherchiert und sich deswegen mit dem Klimawandel beschäftigt. Dabei habe sie festgestellt: Die Forschung spreche inzwischen nur noch von Jahrzehnten, nach denen unumkehrbare Punkte erreicht würden. "Es ist in der Gesellschaft nicht angekommen, wie branddringend das ist", sagt Karen Duve.
Also wieder ein Sachbuch, wie schon ihr Erfolg "Anständig essen", die Abrechnung mit der Lebensmittelindustrie von 2012. Bärbel Wichmann will von Karen Duve wissen, ob sie sich als Revolutionärin sieht. "Klingt fast so", antwortet die. Dabei sei sie in der Jugend eher ignorant und in Diskos unterwegs gewesen.
Doch die Autorin blickt durchaus distanziert auf das eigene Werk. "Das ist nicht die Art von Buch, mit dem man unbedingt recht haben will", sagt sie. Stattdessen wirft sie Fragen auf, die auch das Publikum der Lesung bewegen: "Was muss passieren?" Und: "Würden Frauen in Führungspositionen anders handeln?" Karen Duve hat eine Diskussion angestoßen - zumindest schon einmal in einem Gewächshaus in Eberswalde.