Die Begräbniskultur im Barnim ist im Wandel. Immer mehr wollen eine Feuerbestattung. Auch halb-anonyme Bestattungen nehmen zu. In Altenhof und Lichterfelde gibt es bereits entsprechende Grabstellen. Auch Finowfurter wünschen sich diese neuartige Form der Bestattung.
Die Begräbniskultur, die offiziell Sepulkralkultur heißt,    ist wie alle Lebensbereiche dem gesellschaftlichen Wandel unterlegen. Wie fast alle Trends entstehen sie in den großen Städten, um sich dann langsam auch im ländlichen Raum auszubreiten.
In der Gemeinde Schorfheide ist derzeit das Thema halb-anonymer Grabstellen in der Diskussion. Das sind Grabstellen für die anonyme Urnenbeisetzung auf einer grünen Wiese. Auf einem zentralen Gedenkstein werden dann, um nicht ganz anonym zu sein, die Namen der Beigesetzten verewigt.
Die Gemeinde Schorfheide hat auf die sich ändernden Wünsche der Einwohner reagiert und ermöglicht auf einigen Friedhöfen bereits die halb-anonyme Bestattung. So gibt es etwa in Lichterfelde und Altenhof bereits entsprechende Bereiche. In Lichterfelde wurden an einem ehemaligen Familiengrab Granitplatten angebracht, auf denen die Namen der Toten verewigt werden können. Da sich diese Form der Bestattungen großer Beliebtheit erfreut, wurde kürzlich sogar ein zweiter Bereich ausgewiesen.
Auch in Altenhof kann man sich auf einem Gedenkstein mit Namen und Todestag verewigen lassen, während die Urne anonym auf einer Wiese vergraben wird. Auch in dem zur Gemeinde Schorfheide gehörenden  Klandorf soll im kommenden Jahr ein Gedenkstein für Urnenbegräbnisse aufgestellt werden. Die finanziellen Mittel sind im Haushalt eingestellt. Die Finowfurter wünschen sich für ihren Friedhof ebenfalls ein Ort für diese Form der Bestattung, wie jüngst auf einer Sitzung des Seniorenbeirates deutlich wurde.
Der Trend zur Urnenbeisetzung ist derzeit ungebremst. Bereits seit einigen Jahrzehnten steigt der Anteil derjenigen, die verbrannt werden wollen. „Rund 90 Prozent der Menschen entscheiden sich für eine Urnenbestattung“, meint etwa Britta Bornberg vom Finowfurter Bestattungshaus Steinke. Dies kann auch Pfarrer Ulf Haberkorn bestätigen, der die Kirchen in Lichterfelde, Finowfurt, Altenhof und Werbellin betreut. Während es früher üblich war, dass die Angehörigen aufgebahrt wurden, um sich würdig zu verabschieden, etabliere sich immer öfter eine Art Entsorgungsmentalität, so Haberkorn. Der Tod solle lieber nicht zu nah kommen.
Im großen Teil des säkularisierten Ostens Deutschlands lag die Quote der Urnenbeisetzungen seit jeher höher als in christlich geprägten Gegenden und ist in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. Befeuert haben dürfte den Trend dabei sicherlich auch die Gebührensatzungen der Kommunen: Urnenbegräbnisse sind deutlich günstiger als Erdbestattungen. In der Gemeinde Schorfheide beträgt die Differenz fast 300 Euro.
Die finanzielle Seite spielt in der Begräbniskultur mittlerweile eine große Rolle. So nehme grundsätzlich die Größe der Grabstellen immer weiter ab, bestätigen Bestattungsunternehmen. Früher gab es in den Dörfern Familiengrabstellen, die je nach gesellschaftlichem Status größer oder kleiner ausfielen. Heute reicht es vielen, die Urne anonym auf der grünen Wiese zu beerdigen. Den Angehörigen möglichst wenig Arbeit machen, ist ein oft geäußertes Argument. Um dennoch einen Ort des Erinnerns zu haben, erklärt den Trend zur halb-anonymen Bestattung. Grundsätzlich wünschen sich immer mehr Menschen Gräber mit geringem Pflegeaufwand, so Britta Bornberg vom Bestattungshaus Steinke. „Viele Angehörige wählen für die Grabstellen Kiesel und Steinplatten“, so die Bestattungsberaterin. Vorbei scheint die Zeit der liebevollen Grabpflege durch die Angehörigen. Viele können und wollen sich nicht mehr leisten, allwöchentlich auf den Friedhof zu gehen zum Gießen.