Lange haben die acht Familien, die gemeinsam den Viergeschosser errichten lassen, darauf gewartet, dass es endlich richtig losgeht.  Den Anstoß für die Investition hatte Eberswaldes Baudezernentin Anne Fellner bereits im September 2014 gegeben – mit der Anfrage an die Architektinnen, ob sie sich vorstellen könnten, auch in Eberswalde eine Baugruppe zu begleiten. Meist gibt es für Mehrfamilienhäuser Bauträger, die das Gebäude auf eigene Kosten und nach eigenen Ideen hochziehen und dann fix und fertig an Interessenten verkaufen.
Haus auf 230 Betonsäulen
"Hier läuft es anders – die Eigentümer der Wohnungen sind vom ersten Schritt an dabei und haben einen direkten Einfluss auf die Planung", sagt Annette Wolpert, die sich bei der Grundsteinlegung zuversichtlich zeigt, dass die größten Hemmschuhe für den Neubau aus dem Weg geräumt werden konnten. Der hohe Grundwasserstand in der Altstadt habe auch das Baugruppen-Projekt an der Goethestraße nicht verschont. "Weil die tragfähige Bodenschicht erst in drei Meter Tiefe beginnt, wird das Haus auf 230 Betonsäulen stehen, die 3,50 Meter ins Erdreich ragen", erklärt die Architektin.
Neben vermutlichen Resten der mittelalterlichen Stadtmauer, die archäologisch dokumentiert wurden, und Fundamenten des im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstörten Vorgängerbaus war bei den Erdarbeiten im März auch Munition aufgetaucht. Doch der herbeigerufene Bergungsdienst konnte schnell Entwarnung geben. "Es handelte sich um eine sogenannte Erinnerungsgranate von 1917, also um ein Souvenir", verrät Klaudia Cadic.
Am Montag wird der Baukran aufgestellt. Im Frühjahr 2021 soll das Richtfest für den Viergeschosser gefeiert werden, der aus acht Wohnungen besteht, die zwischen 53 und 106 Quadratmeter groß sind. Die reinen Baukosten werden mit etwas mehr als anderthalb Millionen Euro angegeben, alles in allem investiert die Baugruppe etwa zwei Millionen Euro auf dem 481 Quadratmeter großen Grundstück.
Liebe auf den zweiten Blick
Die Eigentümer hatten schon genug Zeit, sich gegenseitig zu beschnuppern. Bei der Grundsteinlegung wird deutlich, dass eine eingeschworene Gemeinschaft entstanden ist. Das fällt auch Bürgermeister Friedhelm Boginski auf, der den Baugruppen-Vertretern zu ihrer Entscheidung für Eberswalde gratuliert. "Nachahmer sind willkommen", ruft das Stadtoberhaupt aus.
Nicht jeder Wohnungskäufer hat tatsächlich vor, in die Barnimer Kreisstadt zu ziehen. "Für uns ist die Investition ein Anlageobjekt, erzählt Angelika Palm, die mit ihrem Mann Peter im Südwesten von Berlin wohnt. "Wir sind in Steglitz/Zehlendorf verwurzelt. Da ist es genauso grün wie hier", betont ihre bessere Hälfte.
Hingegen sind Susanne und Roland Jeluk bereits 2018 nach Eberswalde gekommen. Das Paar stammt ursprünglich aus Bonn. Sie arbeitet als Lehrkraft am Oberstufenzentrum. "Es war Liebe auf den zweiten Blick. Wir haben nach und nach entdeckt, wie schön Eberswalde ist", sagt Susanne Jeluk. "Und eines Tages ist uns das Bauschild an der Goethestraße aufgefallen", ergänzt er.