Gut zwei Jahre später müssen Parlamentarier (und Mitarbeiter) konstatieren: Das Leiden hat noch kein Ende. Denn: Im neuen Museumsdepot zeigen sich massiv Risse. Ein ausgedehntes Schadensbild. Einige Stadtverordnete sprechen bereits von einer Fehlentscheidung.
Die Risse sind schon aus der Ferne sichtbar. Sie sind so stark, dass die Finger hineinpassen. Und sie ziehen sich meterlang über die Fassade. Im Herbst wurden Gipsmarken gesetzt. Einige Abgeordnete sehen das Projekt Umzug der Museumssammlung gefährdet. Zumal die Sanierung des Depots für das Bauamt auch keine Priorität hat. Das Dezernat konzentriert sich aktuell vor allem auf Projekte der sozialen Infrastruktur. Etwa den Anbau an die Grundschule Finow, den Neubau des Hortes im Brandenburgischen Viertel sowie die Fertigstellung der Waldsportanlage.
Wie Baudezernentin Anne Fellner erklärt, fehlen aktuell drei Hochbauingenieure im Rathaus. Vor diesem Hintergrund habe in der Tat eine Priorisierung der Vorhaben erfolgen müssen. "Aber ich verstehe auch das Drängen der Politik und die Ungeduld des Museums." Um dem gerecht zu werden, habe sie einen Kollegen im Ruhestand angesprochen – und gewonnen. Dieser Ehemalige werde in Kürze auf 450-Euro-Basis im Rathaus anfangen und sich um die Riss-Problematik Saarstraße kümmern. Ziel sei es, "über die erste Hürde zu kommen". Heißt: Das Thema so weit vorantreiben, dass Ende August die Planungsleistungen ausgeschrieben werden können. Auf der Basis weiterer Untersuchungen ließen sich dann Sanierungsumfang und Kosten abschätzen.
Wobei Fellner schon jetzt betont: "Das sind Sowieso-Kosten." Denn diese Kosten hätte die Stadt auch tragen müssen, wenn – wie von einigen Abgeordneten vorgeschlagen – die Saarstraße zu einem Ortsteil- oder Mehrgenerationentreff für Ostend entwickelt worden wäre. Unabhängig von der Art der Nutzung, die Stadt müsse sanieren, bekräftigt sie.
Die Risse würden sich vor allem auf den später errichteten Anbau beziehen. Das offensichtliche Absacken könne mehrere Ursachen haben. Die derzeit wahrscheinlichste sei, dass der Anbau "schlecht gegründet wurde". Und es eben deshalb zu Setzungserscheinungen kam. Das Ausmaß sei erst nach dem Auszug des vormaligen Mieters, des Möbelhändlers, erkennbar gewesen. Ungeachtet dieser Schäden konstatiert die Dezernentin: Es gibt eine Nutzungsgenehmigung für die Saarstraße 8a. "Und etwa 70 Prozent der Fläche sind ja auch nutzbar." Sie hält die Saarstraße nach wie vor für "einen guten Standort" als neues Museumsdepot. Ob die für die Ertüchtigung zunächst geplanten 400 000 Euro reichen, bleibt indes abzuwarten.
Fahrplan für Umzug steht
Ende 2019 waren die ersten Sammlungsstücke aus dem maroden Depot in Nordend nach Ost-end transportiert worden. Für den Umzug, der etappenweise erfolgt, hat das Museum insgesamt zwei Jahre veranschlagt. Im Herbst 2021 soll, so der Fahrplan, das Projekt abgeschlossen sein. Sozialdezernent Jan König und Kulturamtsleiter Norman Reichelt zeigen sich nach wie vor zuversichtlich, dies zu schaffen. Vor wenigen Wochen seien erneut Umzugswagen gerollt. Schwerpunkt sei aktuell das Räumen des Nordflügels im Museum, wo ebenfalls Sammlungsstücke lagern, beispielsweise Möbel. Der kritische Bereich werde abgetrennt, heißt es. Wobei es mit dem Transport allein nicht getan ist. Viele Stücke müssen aufgrund von Schimmel- oder Schädlingsbefall restauriert werden.

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