Fahren Schiffe bald mit Treibstoff aus Eberswalde? Tatsächlich könnte das Verfahren zur Herstellung dafür im Gewerbegebiet der Waldstadt entwickelt werden. Doch es ist nicht das Gemisch, sondern die Technologie, die die Raptech Eberswalde GmbH später verkaufen möchte. Vorausgesetzt die Tests gelingen. Noch in diesem Jahr geht es los. Geschäftsführer Jürgen Gärtner und Projektingenieur Steffen Golka haben Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski und Wirtschaftsförderer Georg Werdermann kürzlich Einblicke auf ihr Firmengelände, dem Areal des insolventen Brennstoffhändlers Hucke im Gewerbepark, gewährt.
Ins Auge fallen dort drei 80 000-Liter-Tanks. Es gibt zwei Container und eine Freifläche für den Produktionscontainer, in dem der Herstellungsprozess für die Innovation aus Eberswalde später stattfindet. "Die Wissenschaft hat mehrfach darauf hingewiesen, dass ein gewisser Anteil von Wasser Kraftstoff spart, aber vor allem den Schadstoffausstoß reduzieren kann", erklärt Jürgen Gärtner, was im Container passiert. In Eberswalde also soll Öl mit Wasser gemischt werden.
Ursprung in Russland
Wer das Zuhause ausprobieren möchte, muss an dieser Stelle vorgewarnt werden. Damit beide Stoffe sich nicht wieder trennen und tatsächlich ein brauchbarer Wasser-Öl-Emulsionskraftstoff entsteht, ist ein spezielles, weltweit einzigartiges Verfahren notwendig, das in Eberswalde ohne die Beimischung von anderen Stoffen marktfähig gemacht werden soll. Das Grundpatent dazu stammt aus Russland. Es wurde von der Raptech gekauft und weiterentwickelt. Gelingt das Verfahren, soll das Areal im Gewerbegebiet als sogenannter Show-Room für die Technologie fungieren. Zuvor wird die Universität Rostock das Gemisch für jene Objekte testen, die es letztlich tanken sollen: Schiffe.
Die Produktionscontainer sollen deshalb später auch nicht in Eberswalde stehen, sondern dort, wo sie gebraucht werden. In Häfen. Ein weiterer Grund dafür: In der Schifffahrt entsteht sogenanntes Bilgenwasser. Es sammelt sich unten im Schiff an, ist mit Schweröl verunreinigt und muss entsorgt werden. Die Raptech will dieses Wasser nun nutzen, um es vor Ort in Treibstoff umzuwandeln, der für sich genommen auch noch effizienter ist. "Die Einsparung liegt bei sieben bis zehn Prozent", erklärt Ingenieur Steffen Golka. Interessant wird das Verfahren in erster Linie durch den geringen Schadstoffausstoß – bis zu 60 Prozent weniger Stickstoffoxide.
Brandenburg fördert
"Das passt in die Zeit", bescheinigt Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski der Firma. Das Vorhaben wird mit einem mehrstelligen Millionenbetrag durch die Investitionsbank des Landes Brandenburg gefördert. Auch das habe, so Jürgen Gärtner, dazu geführt, sein Unternehmen in der Mark anzusiedeln. Und der Standort Eberswalde? "Ich wohne in der Nähe", sagt der Raptech-Geschäftsführer, der früher im Außenhandel für Mercedes Benz tätig war. Seit 1987 lebt er in Altenhof, war dort von 1989 bis 1991 sogar Bürgermeister. Seine Frau Birgit Gärtner leitet die im Dorf ansässige Reussen Consultung. Diese berät Kunden mit Geschäftsbeziehungen nach Russland und hatte sich vor Gründung der Raptech um die Prüfung des Patents gekümmert. Auch das zweite Standbein der Eberswalder Firma weist nach Osten. Raptech ist Vertriebspartner für Schmierstoffe von Gasprom Neft.