Der Regent's Kanal, der sich durch London schlängelt, gehört dazu. Rund 3500 Kilometer Wasserwege betreut die Stiftung Canal & River Trust in England und Wales. "Wie schafft es die Stiftung, 2000 ehrenamtliche Mitarbeiter zu motivieren?"
Das ist eine der Fragen, die Solarbootenthusiast Hartmut Ginnow-Merkert künftig zugunsten des Finowkanals beantworten will. Um das von Schleusenschließungen bedrohte Wasserwanderidyll auf die richtige Spur zu bringen, hat der Ehrenamtler Kontakte in verschiedenen Orten Europas geknüpft. "Wir haben Zusagen aus England, Irland, Frankreich und Polen als Partner", sagt Ginnow-Merkert.
Vor zwei Jahren gründete der Finowfurter den Solarbootverein Berlin-Brandenburg. Seither hat der seit Kurzem pensionierte Professor für Produktdesign unter anderem eine Solarbootvision für den Finowkanal vorgelegt. Und, weil vorerst keine Geldquelle zur Rettung der Wasserwanderstrecke mit zwölf Schleusen in Sicht ist, die Hebel barnimweit und sogar international angesetzt.
Hintergrund ist der Fünf-vor-zwölf-Zustand des Finowkanals. "Das Damoklesschwert - zwei kaputte Schleusen treiben uns jeden Monat Schweißperlen in den Nacken", reißt Volkmar Ritter die Dramatik kurz an. Ritter ist als Geschäftsführer des europäischen Regionalen Fördervereins, der auch die Kommunale Arbeitsgemeinschaft Region (KAG) Finowkanal unterhält, damit vertraut.
Spätestens seit zwei Jahren ist klar, dass der Bund, Eigentümer des Kanals, an der Strecke nichts mehr macht. Genauso lange sind die Stecher sowie die Lieper Schleuse so marode, dass das Wasser- und Schifffahrtsamt die Bauwerke monatlich prüft. Bei einem groben Schaden wäre die Sanierung fällig. "Und wenn eine Schleuse nicht mehr funktioniert, ist der Finowkanal eine Sackgasse", sagt Ritter.
Ob und wie der Kanal künftig mit oder ohne den Eigentümer betrieben wird, ist in Kreis und Land noch nicht ausdiskutiert. "Alle gehen hausieren mit dem Wassertourismus. Aber keiner will die Verantwortung übernehmen", sagt Doris Angelov von der KAG. "Daher suchen jetzt viele nach einer Lösung in Richtung EU", ergänzt Ritter.
Nebenher laufen kleine Projekte, die der mit 400 Jahren ältesten noch befahrbaren künstlichen Wasserstraße Deutschlands zumindest mehr Öffentlichkeit bescheren sollen. So bietet der Förderverein seit 2012 Schulpaddeltage an. Und aus dem Topf für gemeindeübergreifende Projekte des Kreises soll auf Höhe des Landhofes Liepe bis zum Herbst der Prototyp einer Einsatzstelle entstehen. "Und wir können wieder eine Saison starten", kündigt Ritter an. Mithilfe von Kreis und JobCenter besetzt der Förderverein die Schleusen zwischen 19. April und 13. Oktober.
Für die Zusammenarbeit mit europäischen Partnern hat der Förderverein nun einen Projektantrag beim Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie eingereicht, mit Ginnow-Merkerts Unterstützung. Ziel ist es auch, Arbeitsfelder auszuloten. "Ich sehe in der Wasserwanderregion jede Menge Potential", sagt der Vorsitzende des Solarbootvereins.
Im Ausland könne man sich ansehen, wie Wasserwanderregionen ihre Probleme gelöst haben, wenn sich der Staat solcher Aufgaben entledigt hat. Beim Finowkanal liegt für ihn die Lösung auf der Hand: Hier könnten solare Hausboote entwickelt, gebaut, vertrieben, verliehen, Pensionen und Bootshäuser einbezogen werden.
"Für mich ist das so was von klar, dass ich sofort anfangen würde, wenn ich das Geld hätte", sagt Hartmut Ginnow-Merkert.
"Leinen los", ist nun der Titel für den Projektantrag. "Wir müssen zeigen: Es lohnt sich, Geld in den Finowkanal zu stecken - da sind welche, die wollen."