Die Konzertreihe „Jazz in E“ gönnt sich in diesem Jahr laut Programm einen „Break“ – einen Bruch, eine Pause. Was sich hinter diesem Begriff musikalisch verbergen kann, das zeigten bei der Eröffnung am Mittwochabend im Paul-Wunderlich-Haus die Bands Pranke und Malamute.
Der Plenarsaal des Kreishauses ist umdekoriert, die Bühne aufgebaut, Tribünen mit Sitzkissen und eine Lichtinstallation machen den Ort heimelig. Es ist voll am Mittwochabend, fast bis auf den letzten Platz. Was im Kreis Barnim nicht mit der Landratswahl gelingt, das schafft offenkundig die Musik: Interesse am Teilhaben zu wecken.
Die „Breaks“ aus dem Programmheft von „Jazz in E“, das sind zunächst einmal Brüche in der Musik, also kleine Einschübe, die eine Komposition in andere Richtungen drehen können. Breaks sind vor allem eine Aufgabe für Schlagzeuger. Und davon gastieren an diesem Himmelfahrtswochenende einige in Eberswalde, von Christian Lillinger über Oliver Steidle bis zu Demian Kappenstein.
Das Festivalteam um Programmchef Udo Muszynski scheint die Sache mit den Breaks aber umfassender gemeint zu haben. Schon das Eröffnungskonzert bricht mit der Gewohnheit, an den Anfang ein staatstragendes Konzert von etablierten Größen des Jazz zu stellen. Mit dem Duo Pranke beginnt eine junge Band, die dem Publikum mit aufwühlendem Experimentalrock die Pranke zeigt. Schlagzeuger Max Andrzejewski ist sichtlich amüsiert über den Eberswalder Usus, die musikalische Subkultur auf`s hohe Podest zu heben. „Wie ihr merkt, haben wir uns eingeschlichen – wir sind `ne Rockband und spielen auf einem Jazz-Festival.“ Auf eine Begrüßungsrede verzichtet er dann aber trotz Androhung doch lieber. Dafür sind bei „Jazz in E“ ja auch die örtlichen Honoratioren vom Bürgermeister bis zum Sparkassendirektor zuständig.
Zum letzten Mal wohnt der scheidende Landrat Bodo Ihrke der Festivaleröffnung als Hausherr bei. Wenn das kein „Break“ ist nach immerhin elf Festival-Jahrgängen in dem damals gerade erst eingeweihten Paul-Wunderlich-Haus. Für die bevorstehenden vier Konzertabende wünscht Ihrke den Veranstaltern vor dem ersten Konzert, „dass sich die Funkwege nicht kreuzen“ – trotz Lautsprecherkabeln, Mischpulten und Mikrofonen bleibt das Haus in erster Linie Sitz der Kreisverwaltung – und resümiert: „Dieses Gebäude kann ohne die Kultur nicht mehr leben.“ Schwingt da etwa der Hauch einer Lebensbilanz mit? Wenn, dann nur zaghaft angedeutet und frei von Wehmut. Bürgermeister Friedhelm Boginski dankt dem seit 1993 im Barnim amtierenden Langzeit-Landrat in seiner Ansprache noch einmal für die „wegweisende Entscheidung“, die Eberswalder Stadtmitte zu entwickeln.
Und dann also doch: Musik. Pranke begeistern ein aufgeschlossenes Publikum mit komplexen Liedstrukturen voller – Brüche. In ihr Spiel weben Andrzejewski und Gitarrist Daniel Fridrik Bödvarsson aber auch folkige und poppige Melodien mit Harmoniegesang ein. Nach einer Pause betritt der US-amerikanische Schlagzeuger Jim Black mit seiner international besetzten Band Malamute die Bühne. In der Besetzung Schlagzeug, Bass, Saxofon und Keyboards findet das Quartett rasch in einen improvisatorischen Fluss.
Noch bis Sonnabend, Paul-Wunderlich-Haus, Eberswalde, Programm/Tickets: www.mescal.de