Gleich in zweifacher Hinsicht ist der Kalender des Stadtteilvereines Finow für 2021 etwas Besonderes, obwohl das Werk schon im vierten Jahr in Folge herausgegeben wird. Zum Ersten werden den historischen Ansichten aus dem Stadtteil, die zumeist vor dem Zweiten Weltkrieg aufgenommen wurden, erstmals aktuelle Fotos vom gleichen Motiv gegenübergestellt. „Finow im Wandel der Zeit“ lautet der Untertitel des Kalenders treffend, der wieder „Finower Bilderbogen“ genannt wurde.

Diesmal gibt es keine Fördermittel für Finows Kalender-Projekt

Zum Zweiten haben diesmal ausschließlich Gewerbetreibende aus dem Stadtteil den Druck finanziert. In den vergangenen drei Jahren waren jeweils 5000 Euro aus dem Eberswalder Programm zur Förderung des Einzelhandels in das Projekt geflossen. „Wir waren aus dem Rathaus darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass wir diesmal keinen Zuschuss erhalten werden“, sagt Viktor Jede, der dem Stadtteilverein vorsteht, der auf mehr als 50 Mitglieder angewachsen ist. Deshalb habe der Vorstand erwogen, auf eine Herausgabe zu verzichten. Aber dann hätte es Signale aus der Finower Wirtschaft gegeben, dass der Kalender weiter gewollt sei. Und nicht nur dass: Die Kosten für die Veröffentlichung seien in Gänze durch Firmen aus dem Stadtteil getragen worden. „Der Stadtteilverein ist finanziell außen vor geblieben“, freut sich der Vorsitzende, der deswegen auch nicht verrät, wie teuer es war, den Kalender zu produzieren.

Auflage des Kalenders sinkt um 1000 Exemplare

In den vergangenen Jahren waren für den Druck jeweils zwischen 8000 und 8500 Euro ausgegeben worden. Doch dieser Betrag kann für 2021 nur bedingt zum Vergleich herangezogen werden. Denn die Auflage, die bei den ersten drei Kalendern aus 3000 Exemplaren bestanden hatte, ist auf 2000 Exemplare reduziert worden.
Die historischen Ansichten stammen allesamt wieder aus dem Fundus der Druckerei Mertinkat. „Zumeist hat es sich um Postkarten gehandelt“, berichtet Inhaber Christian Mertinkat, der dem Vorstand des Stadtteilvereines angehört.
Für die Aufnahmen aus der Gegenwart zeichnet Constanze Franz verantwortlich. Die Finowerin ist Beamtin im öffentlichen Dienst und nebenberufliche Fotografin. „Gerade bin ich dabei, mir ein eigenes Studio einzurichten“, verrät sie. Der Kontakt zum Stadtteilverein, in dem sie inzwischen Mitglied ist, kam über ihren Mann Michael Franz zustande, der in Finow einen Malerfachbetrieb führt und sich von Christian Mertinkat seine Firmenautos mit Folien bekleben ließ. Dabei sei das Gespräch auf den Kalender und die Idee gekommen, diesen mit aktuellen Bildern anzureichern.

Historische Aufnahmen von Finower Blickfängen

Gezeigt werden unter anderem die Schleuse Heegermühle, der Kleine Stern, der Heegermühler Hof, der heute Pension Wole heißt, die Eberswalder Straße, die Messingwerksiedlung, das Hotel „Deutsches Haus“, in dem heute die stadteigene Wohnungsbau- und Hausverwaltungs GmbH ihren Sitz hat, und das Lehnschulzenhaus. Auf jedem Monatsblatt finden sich die Logos von zwei Firmen. Die Werbung ist dezent am unteren Rand platziert.

Sogar Anfragen aus Kanada

Den „Finower Bilderbogen“ gibt es wie schon in den Vorjahren nicht käuflich zu erwerben. Stattdessen wird er von den an der Finanzierung des Kalenders beteiligten Unternehmen nach eigenem Gutdünken verteilt. „Dabei geht es darum, Kundentreue zu belohnen und das Finower Heimatgefühl zu stärken“, sagt Viktor Jede. Die Rechnung scheint aufzugehen: Sogar aus Kanada habe es bereits eine Anfrage gegeben, ob auch für 2021 ein Kalender geplant sei. Die Nachfragen nach den Bilderbögen von 2018, 2019 und 2020 sei bis heute nicht abgerissen, hebt der Vereinsvorsitzende hervor.
Der Kalender für 2020 erscheint wie seine Vorgänger im A3-Format.