Laut Ministerium für Bildung, Jugend und Sport ist in allen Kindertagesstätten Vollverpflegung vorzusehen. Das teilt der Landkreis Barnim auf Nachfrage der Märkischen Oderzeitung mit. Wie viele Einrichtungen dem bereits nachkommen, lasse sich allerdings nicht ermitteln, informiert die Behörde weiter. Fakt ist: Noch nicht alle bieten neben dem Mittagessen auch Frühstück und Vesper an.
Wie wir aus Fachkreisen erfahren, liegt das auch an einer Interpretationsfrage. Bisher hätte es als Vollverpflegung gegolten, wenn die Mahlzeiten über den Tag in der Kita eingenommen werden. Egal ob sie den Kindern von den Eltern mitgegeben oder im Haus zubereitet wurden. Statt das Essen nur "vorzusehen" werde den Barnimer Kitas nun aber nahegelegt es "anzubieten".
Im Amt Joachimsthal ging man schnell auf Nummer sicher. Die Eltern der Krippen- und Kindergartenkinder aus den drei kommunalen Einrichtungen müssen keine Brote mehr schmieren. Hortkinder erhalten Vesper, in den Ferien Vollverpflegung. Und auch die freien Träger im Amtsbereich bieten alle drei Mahlzeiten an. Das sind in Joachimsthal der evangelische Waldkindergarten und in der Gemeinde Althüttendorf die Kita "Villa Kunterbunt", die durch die Johanniter-Unfallhilfe betrieben wird.
Der Verein leitet neben dem Haus in Althüttendorf auch die Kinderakademie in Eberswalde mit 189 Kindern und drei Einrichtungen in der Gemeinde Schorfheide, die zusammen 125 Kinder zählen. In allen Häusern wird Vollverpflegung angeboten.
Das gilt mittlerweile für alle Kitas in Schorfheide. Im Herrschaftsbereich von Bürgermeister Uwe Schoknecht werden sämtliche Einrichtungen von freien Trägern betrieben. Die Gemeinde selbst ist beim Thema Kita-Essen außen vor. Der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Eberswalde leitet das Haus "Kleiner Strolch" in Lichterfelde und bietet schon lange Vollversorgung an. Erst umgestellt hat die Kinder- und Jugendhilfe Schorfheide gGmbH Buckow in ihren Kitas Spatzennest in Finowfurt und Löwenzahn in Eichhorst.
Ein Rundumpaket wollen auch das Amt Britz-Chorin-Oderberg und die Stadt Eberswalde umsetzen. "Als Träger von 14 städtischen Kitas ging an unsere Einrichtungen stets die Empfehlung, Vollverpflegung anzubieten", heißt es aus dem Rathaus der Barnimer Kreisstadt. Allerdings hätten die Eltern und Kita-Ausschüsse einiger Einrichtungen wie zum Beispiel der "Kita Pusteblume", der Kita "An der Zaubernuss" oder der Kita "Gestiefelter Kater" den Wunsch geäußert, nur ein Mittagsangebot zu unterbreiten. Diese Wünsche seien bisher berücksichtigt worden. "Demnächst wird es jedoch in allen Kitas eine Vollversorgung mit Frühstück, Mittag und Vesper geben", heißt es. Das gilt zumindest für die Häuser, bei denen die Stadt zuständig ist. In Eberswalde gibt es weitere 16 Einrichtungen in freier Trägerschaft.
Im Amt Britz-Chorin-Oderberg könnte der Gemeinde Britz mit Hort und Kita eine Vorreiterrolle zukommen. Dort werde, wie Amtsdirektor Jörg Matthes mitteilt, das Mittagessen sowie ohne Zuzahlung auch Frühstück und Vesper angeboten. Entsprechende Satzungen seien beschlossen und mit dem Landkreis abgestimmt. Für die Einrichtungen in Oderberg, Brodowin, Chorin, Niederfinow, Hohenfinow und Golzow werden aufbauend auf die Britzer Erfahrungen bei der Gestaltung der Gebühren und der Vollverpflegung neue Satzungen auf den Weg gebracht.
Ob man den Eltern mit dem Wegfall der Brotbüchse einen Gefallen tut, bleibt allerdings fraglich. Wie Britz-Chorin-Oderberg und auch Eberswalde vorausblicken, dürfte sich das Angebot in der Kalkulation der Kita-Gebühren niederschlagen.