Wer das kleine Geschäft durch den Südeingang des Kirchenschiffs, an der Salomon-Goldschmidt-Straße, betritt, dürfte im ersten Moment verzaubert sein. In der ehemaligen Brautkapelle, in der nach Martin Luthers Reformation auch Trauungen stattfanden und die in jüngerer Zeit Kindergottesdienste oder die Krippenausstellung beherbergte, ist der neue städtische Eine-Welt-Laden eingezogen.
Regale, Seitenbänke und Verkaufstresen sind mit allerlei Produkten aus Asien, Afrika und Lateinamerika bestückt: Honig und diverse Teesorten. Selbstgeflochtene Körbe aus Ghana und Marokko und Leder-Portemonnaies mit Tiermotiven aus Peru. Schals und Halstücher aus Vietnam, Indien und Indonesien. Armbänder, Ketten und Ohrringe. Kinderspielzeug wie Handpuppen. Flöten, Rasseln und Trommeln aus Kamerun und Peru sowie Weihnachtsdekoration.
Die Pfarrerin der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Petra Schenk ist eine der Verkäuferinnen. Sie und sechs weitere Ehrenamtliche aus der Gemeinde und von den Westend-Gospel-Singers helfen im Geschäft mit, das durch die Initiative von Karin Giering und ihrem Mann, Pfarrer Hanns-Peter Giering, mit dem diesjährigen Krippenmarkt eröffnet hat. "Der Markt war ein toller Auftakt für das Geschäft", berichtet Pfarrerin Schenk. An dem Sonnabend haben sich die Besucher nur so die Klinke in die Hand gegeben, freut sie sich. Alle waren neugierig, wie der Laden aussieht. Viele hätten nette Kleinigkeiten für die Adventszeit und Weihnachten gekauft. Das Geschäft, das immer dienstags und nach dem Gottesdienst geöffnet hat, soll auch bei kirchlichen Aktionen wie Krippenmarkt oder Erntedankfest aufmachen.
Die handgemachten Produkte sind für einen kleinen Preis von einem bis zu 25 Euro zu haben. "Für uns ist das so wenig Geld, für die Hersteller aber ist es eine Menge", sagt Petra Schenk. Es sei doch erstaunlich, dass man mit einem anderen Kaufverhalten eine so große Wirkung erziehlen könne. Die Pfarrerin findet es schön, dass die Stadt nun passend zum Titel, erste Fairtrade-Stadt Brandenburgs zu sein, den passenden Laden präsentieren kann. Claudia Ibischs Einsatz für diese Auszeichnung habe sie beeindruckt. Wer fair gehandelte Produkte kauft, setze einen Akzent gegen die weltweite Ausbeutung von Menschen. In Deutschland wolle ja schließlich auch jeder gerecht für seine Arbeit entlohnt werden, so Petra Schenk. "Hier spricht jeder von Mindestlohn", sagt sie, "und gleichzeitig wollen alle billig einkaufen." Sie findet, dies passe ganz und gar nicht zusammen. "Wieso kämpfen wir für gerechte Bezahlung, billigen sie anderen Menschen aber nicht zu?"
Besonders beliebt sei momentan die Weihnachtsdekoration, so die Pfarrerin. Darunter Krippenfiguren aus Peru, die aus Ton hergestellt und traditionell bemalt sind und zwischen zwölf und 25 Euro kosten. Auch die aus Palästina stammenden Tannenbaum-Anhänger aus Olivenholz werden gern gekauft. Ebenso die Jute-Engel.
Die Produkte, die ohne Ausbeutung und Kinderarbeit hergestellt werden, stammen von Importeuren fair gehandelter Waren wie Gepa und El Puente. Der angebotene Café Kogi sei eine Spezialität, die noch direkter vermarktet wird, berichtet Petra Schenk. Eine Rarität sind die Ketten aus handbemalten Papier-Perlen. Ugandische Frauen fertigen sie, indem sie Altpapier rollen, lackieren und versiegeln. Durch die Wiederverwertung tun sie etwas für den Umweltschutz und sichern den Lebensunterhalt ihrer Familien.