Wasser ist das Lebensmittel Nummer Eins. Jeder braucht es, nicht jeder aber hat es. In den Sommern der vergangenen Jahre wurde offenbar, dass auch im trockenen Brandenburg und Barnim klare Grenzen gezogen werden müssen. Die Wasserbewirtschaftung rückt mehr denn je auf die Tagesordnung.

Reserven an Wasser noch nicht wieder aufgefüllt

Zwar stehen aktuell noch Pfützen auf den Feldern, sind Gräben gut gefüllt. Doch der Regen aus Herbst und Winter hat die Reserven noch nicht aufgefüllt, die durch sehr trockene Sommer zuletzt deutlich angezapft wurden. Neben der Entnahme von Oberflächenwasser zum Bewässern von Feldern und Gärten sowie der Verdunstung greifen auch Baumaßnahmen in den Wasserhaushalt ein.
So plant die SKBB Sand + Kies Union GmbH Berlin-Brandenburg, die den Kiessandtagebau Althüttendorf betreibt, weitere Flächen zur Rohstoffgewinnung. Auch dafür ist eine wasserrechtlichen Erlaubnis nötig. Grundwassermonitoring ist nötig, hieß es zuletzt im Kreiswirtschaftsausschuss. Das Grund- und Kiesseewasser gilt zwar als unbelastet. Allerdings, so stellte Kreisdezernent Holger Lampe fest, bewegten sich die Seewasserstände der angrenzenden Kleingewässer, wie Schulzensee, Kleiner und Großer Kagelpfuhl etwas unterhalb des Niveaus von 2017. Dies ist aber nur ein Beispiel dafür, dass eine große Übersicht, eine Konzeption, noch fehlt.

Wasser soll im Barnim gehalten werden

So stellte die Fraktion Bündnis 90/Grüne im jüngsten Kreistag den Antrag, eine Niedrigwasserkonzeption zu erarbeiten und eine Expertengruppe einzuberufen, die spätestens im nächsten Quartal ihre Arbeit aufnehmen soll. Den stabilen Wasserhaushalt zu sichern und zu überlegen, wie sich Wasser in der Landschaft halten lässt, solle Bestandteil der Arbeit sein, so Fraktionschefin Heike Wähner.
Kleinspeicher, Retentionspotenziale, aber auch Pilot- und Stauanlagen, Moorschutz und Rückbau von versiegelten Flächen seien zu betrachten. Außerdem solle die Untere Wasserbehörde ein Wasserbuch führen, um alle Gewässernutzungen zu dokumentieren. Ein langfristig arbeitender Wasserbeirat müsse Ziel sein. Ende des Jahres könnte eine entsprechende Konzeption dann als Beschluss des Kreistages ergehen. Als Orientierung könne auch die Landes-Niedrigwasserkonzeption dienen, die im Februar vorgelegt wurde. Darin wird das Niederschlagsdefizit in Brandenburg auf 14 Prozent beziffert. Grundwasserstände fallen oder stagnieren. Zuletzt hat der Landkreis Barnim gar die Wasserentnahme aus Oberflächengewässern mit Hilfe von Pumpvorrichtungen per Allgemeinverfügungen untersagt.

Experten verschiedener Fachgebiete in Arbeitsgruppe einbeziehen

Ralf Christoffers (Linke) berichtete von der Expertengruppe, die bereits im Rahmen der Regionalen Planungsgemeinschaft Ergebnisse vorlegen werde. Ein großer Datenschatz ergebe sich außerdem aus dem Klimaanpassungskonzept für Barnim und Uckermark von 2014. Der sei mit auszuwerten. Fachgremien wie den Wasser- und Bodenverband Finowfließ müsse man einbeziehen. Auch in Eberswalde gebe es mit Experten der Hochschule für nachhaltige Entwicklung eine Arbeitsgruppe zum Vernässen von Mohrflächen. Ahrensfelde arbeite am Erhalt des Ökosystems Wuhle. Dies alles müsse Eingang finden. Deshalb solle der Antrag der Bündnisgrünen in den Ausschuss für Umweltschutz und Landwirtschaft verwiesen werden. Das geschah denn auch.

Folgen des Wassermangels schlagen sich nach Jahrzehnten nieder

Bereits im November hatte die Wasserexpertengruppe getagt. Kreisdezernent Holger Lampe betonte, dass die Quellen des Wassers für den Barnim bis zur Müritz zu betrachten seien. Die Sicherheit in der Wasserversorgung zu garantieren, habe höchste Priorität. Probleme in der Versorgung durch marode Anlagen gebe es noch vielerorts. Auch die Analyse des Ist-Zustands solle in ein Konzept eingehen. Altlastenflächen, unbekannte Bohrungen in Gärten oder an Eigenheimen seien zu analysieren. Die Zweckverbände und Versorger hätten da nicht immer den Überblick. „Wir können eine solche Grund- und Trinkwasserkonzeption nur mit den Kommunen gemeinsam erstellen“, sagt der frühere Landwirt. Auch ein Gutachten zu den Grundwasserleitern, von den Zweckverbänden alle fünf Jahre gefordert, müsse her. Denn es gebe noch neue Leiter, die erschlossen werden könnten.
Das rege Bauen schlage sich nieder und müsse in einer Wasserkonzeption berücksichtigt werden. Die Auswirkungen von Wassermangel und Überversorgung würden erst über Jahrzehnte augenfällig, betont der 62-Jährige.