Am liebsten wäre Bernd Hübner überall gleichzeitig. Hier ein herzlicher Händedruck, dort ein paar nette Worte. Dem Tausendsassa steht die Freude über den Andrang zur Ausstellungseröffnung "Heimat-Schilderungen - Gewachsenes und Gebautes" ins Gesicht geschrieben. Im Infirmarium ist es so voll, dass einige zur Rede auf die Fensterbänke ausweichen müssen. "Wenn ich seine Gemälde betrachte, fühle ich mich sofort in die Gegend versetzt", erklärt Klaus Zieger aus Schwanebeck seine Faszination für Hübners Arbeit.
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Hübners Beliebtheit ist kein Wunder. Er bringt sich seit Jahrzehnten auf mehreren Ebenen in der Region ein. Als Malermeister und Restaurator stellte er das historische Antlitz zahlreicher Kirchen wieder her. Darunter 2012 die Trauerhalle auf dem Eberswalder Waldfriedhof und 2004 die Dorfkirche in Hohenfinow. Auch im Kloster selbst ist er als Restaurator tätig und Mitglied im Chorin Verein. Doch in Hübner steckt nicht nur der geschickte Handwerker. Seine künstlerische Seite bildete er in einem Abendstudium an der Kunsthochschule Weißensee aus. Seit Jahrzehnten leitet er die Künstlergruppe "Märkische Schmierfinken".
Und nun hängen seine großformatigen Landschaftsansichten, die Druckgrafiken und die Porträts - die allesamt mit dem hiesigen Landstrich und den Leuten zu tun haben - in dem historischen Gemäuer, dem Hübner ein großes Stück seines Herzens geschenkt hat. Da liegt das Kloster Chorin auf sanften grünen Wiesen und von der Sonne wachgeküsst. Da schimmern die Stämme der Schorfheider Kiefern in den unterschiedlichsten Nuancen. Die Farben besitzen eine besondere Strahlkraft. Sie bestehen nicht aus Öl oder Acryl. Hübner macht sich eine spezielle Farbe aus dem handwerklichen Bereich zunutze. Ihm gefällt, dass dieses Material sehr vielseitig ist und von transparent bis deckend aufgetragen werden kann. Wie die Farbe heißt, will Hübner aber nicht verraten: "Das bleibt mein Geheimnis", sagt er.
Auf den Porträts, hat er liebgewonnene Freunde aus der Region verewigt. Doch gerade an Porträts scheiden sich manchmal die Geister. Hübner erzählt, dass eine Bekannte die ausgestellte Zeichnung ihres Mannes besonders scheußlich findet. Dabei sei ihm die besonders gut gelungen, so Hübner.
Der Maler hat auch seinen langjährigen Weggefährten Gunther Nisch, den Gründer des Chorin Vereins und Historiker des Klosters, mit einer Kohlezeichnung gewürdigt. "Er hat mir die Augen geöffnet, dass wir unsere Fähigkeiten an die nächste Generation weitergeben müssen", sagt Hübner. So wird die Klosterwerkstatt, in der sich künstlerisch mit dem Gemäuer auseinandergesetzt wird, auch weiterhin alle 14 Tage stattfinden. Am zweiten Advent können Kinder ab 12 Uhr im Kloster unter Hübners Anleitung Weihnachtskarten und Geschenkanhänger drucken.