Die Anlage steht seit Jahren still. Einst galt sie als modernste in ganz Europa. In den Dauerbetrieb ist sie allerdings nie gegangen. Jetzt wird sie demontiert. Teile werden nach Lettland verkauft. Damit ist das Schicksal der Köhlerei Neuehütte endgültig besiegelt.
Am Eingang zur Köhlerei Neuehütte ist noch zu lesen: Gefördert vom Umwelt-, vom Landwirtschafts- und Forst- sowie vom Wirtschaftsministerium. Unweit davon der Hinweis auf einen weiteren Geldgeber: die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Die Anlage im Choriner Ortsteil sollte das Vorzeigewerk in Sachen Holz- und Aktivkohleherstellung werden.
Allein: Die hoch geförderte und viel gelobte Anlage hat es über das Versuchsstadium hinaus nie wirklich geschafft. 1997 ging die Firma pleite. Und auch der Versuch einiger Unternehmer Anfang der 2000er Jahre, die Anlage zu reaktivieren, schlug fehl. Nun wird sie zerlegt.
„Wir haben den Betrieb vor fünf Jahren vom Insolvenzverwalter erworben“, erklärt Sven Kies, Industrieanlagenverkäufer bei der WMW AG in Leipzig. Dies mit dem Anliegen, einen neuen Investor zu finden. Was nicht gelungen sei. „Die Bauschäden sind einfach enorm hoch“, sagt Kies. „Der Keller beispielsweise war voller Wasser.“ Zahlreiche Einbrüche und Vandalismus taten ihr Übriges. „Man hätte mindestens eine Million Euro investieren müssen, um die Anlage wieder hochfahren zu können. Und trotzdem hätte man eine alte Anlage“, so Kies. Inzwischen gebe es Technologien zur Holz- und Aktivkohleproduktion, die eine höhere Effizienz und geringere Emissionen aufweisen.
Deshalb sei man jetzt dabei, den Betrieb zu teilen. Mit der Firma Livanu Karbons habe man ein Unternehmen aus Lettland gefunden, das Teile der Anlage kauft und im heimischen Betrieb in Livani regeneriert. Unter anderem übernimmt Livanu Karbons die Brennkammer mit den Wärmetauschern. Kies geht davon aus, dass die Demontage noch vier bis fünf Wochen in Anspruch nehmen wird. Das eigentliche Herzstück der Anlage, den Reaktor, werde man wohl verschrotten, vermutet Kies. Übrig bleibe das Grundstück mit der baulichen Hülle sowie dem Bürotrakt. „Für diese Immobilie suchen wir dann einen Käufer.“ Für einen Gewerbebetrieb sei Neuehütte eigentlich ein Standort mit „optimalen Voraussetzungen“. Das Grundstück, etwa 14 000 Quadratmeter groß, sei voll erschlossen, zum großen Teil befestigt, alle Medien liegen an, und das Gelände sei gut erreichbar.
Livanu Karbons ist nach eigener Aussage der größte Hersteller von Holzkohle in Lettland. „Wir produzieren pro Jahr bis zu 5000 Tonnen Holzkohle“, erklärt Armens Ambarcumjans, der kaufmännische Leiter des Unternehmens. Hauptabnehmer sei die Stahlindustrie. Die Firma arbeite nach dem „Belgischen Verfahren“, der „Lambiotte-Technologie“, erklärt er weiter. „Der erste Transport nach Lettland ist schon weg“, so Ambarcumjans.
Die WMW AG ist ein national und international agierendes Handelsunternehmen für Werkzeugmaschinen. „Wir unterhalten z. B. Beziehungen nach Südamerika. Auch Indien ist ein wachsender Markt“, sagt Kies, der in einigen Tagen selbst nach Lettland fliegen und sich vor Ort von der Nachnutzung ein Bild machen möchte.
In Neuehütte indes ist der Ofen definitiv aus. Damit endet gleichsam eine Tradition, die 1937 begründet worden war. Damals hatte die Forstliche Hochschule in dem Dorf eine Köhlerei errichtet. Nach der Wende war der Betrieb für einige Millionen modernisiert und auf ein computergesteuertes Meilerverfahren umgestellt worden.