Mit einer beinahe staatstragenden Rede hat sich Martin Hoeck (34) am Donnerstagabend um das Ehrenamt des Vorsitzenden des Stadtparlaments beworben. Wie Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski in der FDP engagiert, erklärte er, nicht für seine Partei "und auch nicht als verlängerter Arm der Verwaltung" zu kandidieren. "Ich bin zu 100 Prozent der Stadtverordnetenversammlung verpflichtet – von der größten Fraktion bis hin zum Fraktionslosen, vom Stadtverordneten mit über 2000 Stimmen bis zum Stadtverordneten mit unter 200 Stimmen", versprach er. Und setzte sich in geheimer Wahl gleich im ersten Durchgang gegen Hans Mai (75) von der Fraktion SPD/Bürger für Eberswalde durch, der in seiner Vorstellungsrede darauf verwiesen hat, dass er als Einziger im Saal schon an der ersten Sitzung des Eberswalder Parlaments nach der Wende im Mai 1990 teilgenommen habe. "Damals bin ich zum Bürgermeister gewählt worden", blickte er zurück.
Auf Martin Hoeck entfielen am Ende 19, auf Hans Mai 18 Stimmen. Es sei eine Entscheidung auf Augenhöhe zwischen zwei bestens geeigneten Kandidaten gewesen, urteilte Friedhelm Boginski. Der knapp Unterlegene wurde später in ebenfalls geheimer Wahl als einziger Bewerber und mit klarer Mehrheit zum ersten Stellvertreter gewählt.
Bündnisgrüne gegen AfD
Als zweite Stellvertreterin setzte sich ebenfalls ohne Gegenkandidat Irene Kersten (65) durch. Für das Ehrenamt der dritten Stellvertreterin/des dritten Stellvertreters warfen Johanna Funk (60) für Bündnis 90/Die Grünen und Heinz-Dieter Parys(62), Alternative für Deutschland, ihren Ring in den Hut. Sie gab zwar zu, dass es ihr an kommunalpolitischer Erfahrung fehle. "Doch ich bin bereit, dies zu ändern. Und fühle mich in der Lage dazu, weil sich seit Jahrzehnten Politische Bildung unterrichte", betonte Johanna Funk. Der AfD-Vertreter erklärte, er sei 2004 aus Nordrhein-Westfalen nach Eberswalde gekommen, wo bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg sein Vater als Kaufmann gewirkt habe. "In Dortmund habe ich erleben müssen, wie Prostituierte gleich neben einem Kindergarten ihre Dienste anboten. Ich setze mich dafür ein, dass uns in Eberswalde eine solche Form der Integration erspart bleibt", sagte Heinz-Dieter Parys, der betonte, dass es wichtig sei, jeden Neubürger, der nicht mehr in sein Heimatland zurück könne, zu fördern, zu fordern und willkommen zu heißen. Aus der geheimen Wahl ging die Kandidatin von Bündnis 90/Die Grünen als klare Siegerin hervor.
Beifall für Bürgermeister-Rede
Acht Fraktionen gibt es im neuen Stadtparlament. SPD/BfE verfügen über acht, CDU, Linke und AfD je über fünf, FDP/Bürgerfraktion Barnim und Bündnis 90/Die Grünen über vier, Bündnis Eberswalde über drei sowie Die Partei/Allianz für Umwelt und Natur über zwei Mandate. Hinzu kommt der Einzelbewerber Carsten Zinn.
Alle Volksvertreter klatschten nach der Willkommensrede des Bürgermeisters Beifall, in der er den Zusammenhalt des Parlaments beschworen und festgestellt hatte: "Rechtsradikalität und Ausländerfeindlichkeit haben bei uns keine Chance".
Eine deutliche Mehrheit lehnte es ab, dem Bürgermeister wieder automatisch den Vorsitz im Hauptausschuss zu überlassen. Über diese Personalie entscheidet jetzt das Gremium selbst.