Knapp 30 Menschen sind im Saal, das neue Format lässt sich gut an. Hochkarätige Gäste, möglichst Botschafter, wolle er erreichen, um mit ihnen über ihr Land zu sprechen, sagt Hoeck. Zur Premiere ist das gelungen. Mit Skender Xhakaliu kam Martin Hoeck (30) über den Botschafter-Verein Ambassadors Club in Kontakt, für dessen Präsidium beide tätig sind.
"Vielleicht machen Sie uns so neugierig, dass wir als Touristen in Ihr Land kommen, vielleicht machen wir Sie so neugierig, dass Sie Investoren in unsere Stadt locken", begrüßt Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) den Gast. Skender Xhakaliu steigt nach dieser Einladung aber nicht mit dem Tourismus ein. Den gibt es, er sei eher berglandschaftlich geprägt, sagt der Botschafter später und verweist auf ein bekanntes Skigebiet. "Wir haben in erster Linie mit der Staatsbildung zu tun", stellt er an den Anfang seiner Worte. "Die politische Stabilität ist eine große Herausforderung für uns. Wir gehören zu Europa, daran gibt es aber noch viel zu arbeiten."
Kosovo, das einst zu Jugoslawien und bis 2003 zu Serbien gehörte, ist, 2008 gegründet, das jüngste Land Europas. Jeder zweite der rund 1,7 Millionen Bewohner ist unter 25 Jahre alt. Armut, Arbeitslosigkeit, Korruption, Spannungen mit Balkan-Nachbarn sind bekannte Schlagworte für Kosovo. Xhakaliu hat einiges hinzuzufügen. Er berichtet von Braunkohle-Reserven und anderen Bodenschätzen, die Investitionen lohnten, von vielen freiwilligen Rückkehrern unter den Kosovo-Flüchtlingen, von der unverzichtbaren Rolle Deutschlands beim EU-Beitritt. Hochinteressiert und gut vorbereitet folgt ihm das Publikum. Ein junger Mann fragt, wie das Land, das acht Monate zur Regierungsbildung brauchte, sein Image aufbessern wolle, um Investoren zu binden. Ein anderer interessiert sich für die Hindernisse bei der Aufnahme in die EU. So ist der Kosovo das einzige der aus Jugoslawien hervorgegangenen Länder, das in Europa keine Visafreiheit genießt.
Anderthalb Stunden genügen nicht, um alle Fragen zu beantworten. Botschafter Skender Xhakaliu hält sich noch zum lockeren Gespräch am Buffet bereit.
Zweimal im Jahr will Martin Hoeck den "Diplomatischen Salon" öffnen. Am 20. Oktober erwartet der FDP-Stadtverordnete die Botschafterin Sloweniens.