Für Nicole Kegeler ist es bereits der dritte Weltmeistertitel in Folge. Mittlerweile ist sie bekannt in der Szene und wurde zum Werbegesicht einer Marke für Sportergänzungsmittel, für die sie schon einen Videoclip drehte. "Ich werde jetzt schon manchmal auf der Straße erkannt, neulich wollte einer ein Foto mit mir machen. Das war schon eine komische Situation", sagt die zierliche Barnimerin, die eine Blitz-Karriere im Kraftsport hinlegte.
Durch ihren Ex-Freund kam Nicole Kegeler 2016 mit dem Sport in Kontakt. Bis dato war Reiten ihr Hobby. Mit "Muckibuden" hatte die gelernte Erzieherin zuvor gar nichts zu tun. Aber der Sport fesselte sie sofort. Schon nach kurzer Trainingszeit stellten sich so große Erfolge ein, dass ihr damaliger Freund sie ein halbes Jahr später zu ihrem ersten Wettkampf anmeldete. Den konnte sie sofort gewinnen – ihr Ehrgeiz war damit so richtig geweckt und die Erfolgsgeschichte mit vielen Landesmeister-, Deutschen Meister-, Europameister- und Weltmeistertiteln nahm ihren Lauf.
Wer so schnell solche Erfolge verzeichnen kann im Kraftsport, in dem man viel "nachhelfen" kann, dem wird gern die Einnahme unerlaubter Mittel nachgesagt. Beim Thema Doping winkt Nicole Kegeler ab. "Früher hat mich das aggressiv gemacht, dass ich ständig darauf angesprochen wurde. Mittlerweile reagiere ich gar nicht mehr." Das Wachsen ihrer Arm- und Nackenmuskulatur verdanke sie hartem Training und einer kompletten Ernährungsumstellung. "Ich achte sehr stark auf meine Ernährung, bin da absolut diszipliniert. Daneben nehme ich nur Eiweiß- und Kreatin-Produkte zu mir. Im Training gehe ich immer wieder über den Schmerzpunkt hinaus – da, wo andere aufhören." Doping könne sie sich gar nicht leisten. "Natürlich wird auch in meinem Verband WUAP stichprobenartig kontrolliert, erst kurz vor der WM musste ich zur Dopingprobe", erklärt sie.
Böse Kommentare
Woran sie sich bis heute nicht gewöhnt hat, sind die negativen Kommentare mancher Mitmenschen auf ihren Körper. "Das passiert mir immer wieder", sagt sie und schildert ein Erlebnis aus dem Sommer. "Ich war einkaufen, steige aus dem Auto und da stehen ein paar Bauarbeiter in der Nähe. Der eine guckt zu mir rüber und ruft seinem Freund zu: Boah ist die hässlich. Guck dir mal die Muskeln an." Ein Kommentar, der verletzt.
Warum einige Menschen so auf sie reagieren, darüber hat Nicole Kegeler viel nachgedacht. "Ich glaube, es kommt daher, dass ich nicht so richtig ins Bild passe. Ich entspreche nicht der Norm, damit haben einige Menschen offenbar ein Problem. Und grundsätzlich fällt es vielen einfach schwer, anderen Menschen etwas zu gönnen. Das ist schon traurig."
Jetzt erstmal eine Pause
Bestärkt wird Nicole Kegeler von ihrem Lebenspartner, ihrem Sohn, der Familie und ihrer Internet-Community, die mächtig stolz auf sie sind. Die 37-Jährige will im kommenden Jahr aber eine Pause einlegen, sich Zeit für ihren Sohn und den Freund nehmen. "Ich habe alles gewonnen, was geht. Mit dem Sport mache ich natürlich weiter, nur nicht mehr so viele Wettkämpfe."
Ein Ereignis steht aber noch aus. Die Eberswalderin ist nominiert für die Wahl zum "Barnimer Sportler des Jahres". "Das wäre ein toller Abschluss dieses Jahres, wenn das klappen würde", sagt sie. Die Online-Abstimmung startet am 7. November.