Irina Holzmann, Vorsitzende des Eberswalder Kontakt-Vereins, kennt viele Familien, die entweder kein Geld oder keine Zeit haben, sich um die musikalische Förderung ihrer Kinder zu kümmern. Das betreffe bei Weitem nicht nur Migranten, betont die 42-Jährige. An dieser Stelle setzt der Verein, der für viele Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion die wichtigste Anlaufstelle in Eberswalde ist, mit seinem neuen Projekt an.
"Musik ohne Grenzen" soll Barrieren abbauen und allen Kindern ermöglichen, sich musikalisch auszuprobieren. Wie der Name schon sagt, soll es dabei keine Grenzen geben. Die Kinder dürfen verschiedene Instrumente üben, auch aus anderen Ländern. "Spanische Gitarre" fällt Irina Holzmann spontan ein. Als typisch russisch nennt sie Balalaika oder Garmon, ähnlich dem Akkordeon. Es geht auch darum, verschiedene musikalische Richtungen kennenzulernen. Auch Singen und Tanzen sollen angeboten werden.
Wie das auf drei Jahre angelegte Projekt konkret ablaufen wird, weiß beim Kontakt-Verein noch niemand. Schließlich sollen die Teilnehmer selbst bestimmen, was ihnen Spaß macht. Deshalb wird es erst einmal Einstiegsangebote in Form von einzelnen Workshops geben. Je nach Zulauf können sich daraus regelmäßige Kurse ergeben.
Irina Holzmann plant das Projekt in einzelnen Modulen. Das erste Modul war das Jolka-Fest, bei dem im Dezember erstmals über 100 Kinder mit ihren Eltern Weihnachten nach russischer Tradition im Bürgerbildungszentrum gefeiert haben. Weitere Termine gibt es noch nicht, denn es muss noch eine ganze Menge organisiert werden.
Die größte Hürde ist aber schon genommen. Der Kontakt-Verein hat eine Förderung in Höhe von 45000 Euro über einen Zeitraum von drei Jahren in Aussicht, der Zuwendungsbescheid liegt vor. Der Verein hat sich beim Programm "Künste öffnen Welten" beworben, das von der Bundesvereinigung "Kulturelle Kinder- und Jugendbildung", dem Förderprgramm "Kultur macht stark" und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung möglich gemacht wird. Ende Oktober kam die lang ersehnte Zusage.
Das Geld wird allerdings immer nur für einzelne Module gezahlt. Deshalb ist unklar, wie hoch die Fördersumme letztlich ausfallen wird. Das Programm "Künste öffnen Welten" leistet aber nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern führt auch die einzelnen Träger zusammen. "Wir sind schon ganz gespannt, welche Projekte in anderen Kommunen entstehen", sagt Irina Holzmann, die sich sehr auf den deutschlandweiten Erfahrungsaustausch freut.
Die Idee zum Projekt hat der Kontakt-Verein schon seit vier Jahren. In erster Linie richtet sich "Musik ohne Grenzen" an die Grundschule Schwärzesee. Das Projekt sei aber auch für alle anderen interessierten Kinder offen, betont Irina Holzmann. Noch ist sie auf der Suche nach Sponsoren. Außerdem werden Freiwillige gesucht, die ein Instrument spielen, singen oder tanzen und ihr Können an Kinder weitergeben möchten.
Außerdem freut sich der Verein über Spenden in Form von Musikinstrumenten. Mit der Förderung durch "Künste öffnen Welten" dürfen nämlich keine Anschaffungen finanziert werden, die der Verein über die Förderungsdauer hinaus als Investition sehen kann.
Das Geld ist eher für Ausflüge in Theater oder Konzerte gedacht. Nach dem Besuch lokaler kultureller Einrichtungen erarbeiten die Kinder einen Wegweiser, den sie selbst kreativ gestalten. Darüberhinaus sammeln sie Informationen aus Flyern und Kulturkalendern und bewerten, wie zugänglich die Eberswalder Kulturszene für Kinder ist.
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