Der Besucher spürt sofort: Der Künstler ist der Gärtner. Und der Gärtner ist der Künstler. Andreas Bogdain, der gern mit dem englischen Wort "Art" (Kunst) spielt, erklärt prompt: In "G-ART-en" steckt ja schon die Kunst. Und sogleich fügt er hinzu: "Der Garten ist unser beider Werk." Soll heißen: Er und seine Lebensgefährtin Helvi Urte Siebert teilen sich die Arbeit und das Hobby. Wobei der Künstler gesteht: "Helvi hat den grünen Daumen." Sie habe den Garten zum Blühen gebracht.
Andreas Bogdain, der 2004 von Eberswalde nach Chorin zog, nachdem er das Grundstück Amt Chorin 10 gekauft hatte, kann sich noch gut an den Zustand erinnern: "Das Forsthaus, 1915 erbaut, stand schon einige Jahre leer. Der Garten war völlig verwildert." Einerseits Verfall, andererseits Erhalt, beschreibt der Künstler den Charme. "Die Ställe zum Beispiel waren noch im Originalzustand da - mit Schweinebuchten, Tränken. Ich hätte nur die Tiere reinführen müssen."
Nun, als Landwirt wollte sich Bogdain freilich nicht verdingen. Er hatte einen Ort für die Kunst gesucht. Für sein Atelier und um seinen Traum von einer Galerie zu verwirklichen. Diesen Ort hat er gefunden - in unmittelbarer Nähe zum Kloster. Als gelernter Maschinen- und Anlagenmonteur brachte er das Grundstück auf Vordermann, baute den alten Stall zur Galerie um. "Vieles hier habe ich allein gemacht." Im Übrigen lerne man mit der Arbeit. Dies gelte vor allem auch für den Garten: "Ich kam ja aus einer Mietwohnung, hatte vom Gärtnern keine Ahnung." Die grüne Oase, sie sei "Stück für Stück gewachsen". Und unterliege noch immer einer ständigen Veränderung. Etliche Pflanzen seien im Laufe der Jahre auf der Suche nach dem richtigen Standort gewandert. Wie zum Beispiel ein Ginkgo am Eingang oder das Hochbeet.
Andreas Bogdain und Helvi Urte Siebert sprechen heute von einem "typischen Bauerngarten", in dem die Natur auch zu ihrem Recht kommen soll und der sich eine gewisse Ursprünglichkeit bewahrt hat. Und so entdeckt der Besucher neben Pflaumenbaum, Spalierobst, Perückenstrauch, Hortensien, Tomaten und Sonnenblumen auch so manche gärtnerische Überraschung. Etwa die Früchte an der Magnolie, zeigt der Hausherr stolz auf die grün-braunen zapfenartigen Gebilde, die "im Herbst aufplatzen und die roten Samen zum Vorschein bringen", wie der Gärtner Bogdain weiß. Oder die "Künstlerrose", die an der Galerie blüht. "Die heißt wirklich so", versichert der 57-Jährige. "Ich habe sie geschenkt bekommen." So wie einige Pflanzen. Etwa eine Zierkirsche, die er zur Eröffnung von "ARTelier + Galerie AB" im Herbst 2004 als Präsent erhielt.
Zu den Entdeckungen gehören natürlich auch die sorgsam ausgewählten und geschickt platzierten Kunstwerke, die mit dem Grün eine Art Symbiose eingehen. Es sind keineswegs nur die eigenen Arbeiten, wie das Bild am Giebel des Hauses Picasso zu Ehren, das - eingerahmt von Russischem Wein - sofort ins Auge fällt. Es sind vor allem auch die Arbeiten seines Kollegen Eckhard Herrmann, Plastiken beziehungsweise Installationen aus Metall. Beispielsweise "Steige hoch du roter Adler". Oder ganz neu die Königsschale aus Cortenstahl.
Der Garten, so sagen Andreas Bogdain und seine Partnerin, er sei für sie Ort der Erholung, der Entspannung, deshalb natürlich auch die Ecken zum Verweilen. Er sei aber auch Quelle der Inspiration - und Motiv. So tauchen in den Grafiken und Bildern von Bogdain immer wieder Blumen auf. Ob die Kapuzinerkresse oder Tulpen. Und das kleine Paradies sei auch grünes Klassenzimmer. Unterrichtsort für Bogdains Malschule. Eine typische Aufgabenstellung: Blumen malen - mit wenigen Strichen, aber gleichsam das Typische erfassen. So dass der Betrachter auf den ersten Blick die Pflanze erkennt.
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