"Es geht nicht um eine Spaßveranstaltung, sondern um die einzigartigen Möglichkeiten, die der Finowkanal bietet", begrüßte Karen Oehler, Fraktionsvorsitzende der Bündnisgrünen, die wenigen Badelustigen, die sich kurz vor 15 Uhr am Steg der Messingwerksiedlung eingefunden hatten. Der wolkenverhangene Himmel hatte ihre Zahl im vergleich zum Vorjahr deutlich geringer ausfallen lassen. Da waren noch 30 Kinder und Erwachsene in das Wasser gesprungen. Dem Startkommando am Sontagnachmittag folgten nur elf Mutige. Mitglieder der Deutsche Lebensrettungsgesellschaft wachten darüber, dass niemand zu Schaden kam. Für das leibliche Wohl der Badegäste und Schaulustigen sorgte die Brot- und Feinbäckerei Dellinger.
"Wir sind das erste Mal dabei. Normalerweise gehen wir in den Wukensee oder Obersee, um zu baden", verrieten die Zwillinge Filibert und Felician Heim (12) aus Melchow. Felician hatte im Vorfeld schon ein unfreiwilliges Bad nehmen müssen, weil er auf einer Schräge aus Holz ins Rutschen gekommen war. "Sehr warm ist das Wasser nicht", stellte der Junge fest
Dieser Einschätzung konnte Axel Vogel, Landtagsabgeordneter der Grünen, nur zustimmen. "Dafür ist das Wasser erstaunlich gut. Die Sichttiefe von 1,50 Meter scheint zu stimmen", lobte er nach dem Sprung ins Nass, an dem er nun zum zweiten Mal teilgenommen hat. "Ich bin das erste Mal dabei und will damit meine Zugehörigkeit zu Finow bekunden", erklärte Bernd Dräger aus der Angermünder Straße, der den Kanal seit seiner Kindheit kennt, als auf dem Wasser noch Schleppkähne schipperten. Gesundheitliche Bedenken musste zumindest am Sonntag keiner der Kanal-Springer haben. Die Gesundheitsbehörde des Kreises hatte die Wasserqualität in der vergangenen Woche untersucht. Das Ergebnis lag erst am Freitag vor. "Es gibt keine Algenbildung, die mikrobiologischen Befunde sind unauffällig. An der derzeitigen Sichttiefe ist nichts zu beanstanden", gibt Oliver Köhler, Pressesprecher der Kreisverwaltung, das Gutachten wieder. Chemische Untersuchungen seien allerdings nicht vorgenommen worden. "Der Finowkanal ist kein offizielles Badegewässer. Das Gutachten entstand auf Wunsch der Bündnisgrünen", fügt er hinzu. "Baden ist nur heute und mit Ausnahmegenehmigung freigegeben", bestätigt Fraktionsvorsitzende Karen Oehler, die aus Sicht der Stadtentwicklung im Finowkanal Riesenpotenziale sieht. "Vor Jahren war einmal von einer Stiftung die Rede. Diese Vision sollte angesichts der neuen EFRE-Periode 2015 weiterentwickelt werden", sagte sie. Eine Chance, den Finowkanal wieder badetauglich zu machen, sieht sie auch im Bereich der Schwärzemündung an der neuen Promenade, an der zurzeit gebaut wird. "Leider war die Stadt bisher nicht zu bewegen, diese Anregung aufzugreifen", bedauert Karen Oehler, die auch im Bauausschuss ist.
Mit Sven Christian, der seit 2008 mit seinem Planungsbüro Flusskontakt an der Walter-Rathenau-Straße 5 ansässig ist, haben die Bündnisgrünen einen festen Partner gefunden. "Wir wollen das Interesse der Anwohner am Kanal wecken, hoffen aber auch auf politische Resonanz bei Stadt, Kreis und Bund. Inzwischen gibt es preiswerte Verfahren, die belastete Sedimente aus knapp 270 Jahren Industriegeschichte auf dem Boden des Finowkanals entfernen", verweist Christian. Er sucht jetzt Zeitzeugen, die im Finowkanal noch gebadet oder Bilder aufgehoben haben.
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