Der Wolf geht um im Forstbotanischen Garten Eberswalde. Doch keine Angst, es ist kein echter: Anlässlich zum Tag des Wolfes hat sich die Stiftung WaldWelten kürzlich auf die Spuren des Raubtieres begeben und Kinder mit ihren Eltern zum Familientag herzlich eingeladen.
Weiße Wolfstatzen weisen den Weg in den Forstbotanischen Garten und führen direkt zum ersten Stand des Naturschutzbundes in Eberswalde (NABU). Dort steht bereits der sechsjährige Nils und begutachtet die Gipsabdrücke heimischer Tiere genauestens. Welche Pfotenspuren zum Wolf gehören, lässt sich selbst für Laien leicht erkennen. Bei den Huftieren wurde es bereits schwieriger, jedoch nicht für Nils: „Das können nur Spuren von einem Damhirsch oder Rothirsch sein“, ist er überzeugt. Schon früh hat er sich für die verschiedenen Tierarten interessiert. Zum Vorbild nimmt er sich vor allem seinen Onkel, der als Jäger tätig ist. Wölfe findet er besonders spannend, „weil sie so wild sind“.
Doch wie sieht es mit dem Wolfsbestand in der Region eigentlich aus? Eher mau, gesteht Livia Zinn, ehrenamtliche Mitarbeiterin von der NABU-Gruppe „Wolf“. „Momentan gibt es aber in Schorfheide verstärkt Anzeichen dafür, dass sich ein Wolfsrudel niedergelassen haben könnte.“, führt sie weiter aus. Im Land Brandenburg habe sich der Wolfsbestand seit 2007 wieder stark verbreitet. Von den 30 bereits entdeckten Rudeln finden sich die meisten allerdings im Süden des Bundeslandes. Da Wölfe weite Strecken zurücklegen können, sei es jedoch nicht unwahrscheinlich, dass auch diese Rudel bei uns ab und zu ihre Beute reißen. Grund genug also für Institutionen wie NABU bei Veranstaltungen wie diesen für das Thema Wolf zu sensibilisieren und mögliche Fragen zu klären.
Während Livia Zinn zu Ende redet, ziehen bereits Rauchschwaden aus dem Zelt nebenan herüber. Joschua Kuhlmann und Jana Engler von den NaturFreunden Eberswalde möchten den kleinen Gästen zeigen, wie man in der Natur auch ohne Streichholz Feuer entfachen kann. Schritt für Schritt erklärt Joaschua Kuhlmann, wie mit einem Bogen mit Schnur, einer kleinen eingespannten Spindel und viel Reibung genug Hitze erzeugt werden kann, um mit der winzigen Glut allmählich Holz zum Brennen zu bringen. Da die Praxis jedoch nicht immer der Theorie gleicht, braucht es noch viel Geduld, damit aus den Rauchschwaden ein Lagerfeuer wird, auf dem die Kinder später Stockbrotteig rösten können.
Bis es allerdings soweit ist, können sich die Kinder auf der freien Wiese nebenan austoben. Dazu haben sich die Mitglieder von Greenpeace Eberswalde mehrere Fangspiele ausgedacht, in denen spielerisch gezeigt wird, wie sich Rehe vor Wölfen und Jäger schützen und die Gruppenbildung auch für Tiere sinnvoll ist, um zu überleben. Da einige Kinder bereits ihre bunten Wolfsmasken tragen, die sie zuvor bemalten, fällt es leicht, die Gruppe der Wölfe von den Rehen zu unterscheiden.
Ruhiger wird es am späten Nachmittag, wenn Joschua Kuhlmann auf die Suche nach heimischen Vogelarten einlädt. Dabei muss man jedoch ganz leise sein, denn genauso wie Wölfe stellen auch Menschen eine potenzielle Bedrohung dar. „Alle Vogelarten, selbst Rehe können die Gefahrenstimmung verstehen. Wenn ein Vogel einen Alarmruf aussendet, verbreitet er sich wie eine Welle durch den Wald“, erklärt der Vogelliebhaber. Die Freunde Jonathan und Nils lassen sich gern darauf ein und haben auch schon etwas gesichtet: Eine Blaumeise und zwei Amseln wollen sie gesehen haben, die auf den Ästen entlangstolzierten. Einen Spatz in der Hand ließ sich jedoch nicht fangen.
Am Ende der wölfischen Reise durch den Forstbotanischen Garten scheint vor allem Nadja Erdmann zufrieden zu sein. Die Mitarbeiterin der Stiftung WaldWelten ist vor allem vom sonnigen Wetter begeistert, das zahlreiche Gäste anlockte. „Es ist sehr schön, dass das gemeinschaftliche Projekt verschiedener Initiativen so gut ankam“, resümiert sie.