Attracta Lyons ist am Montag angekommen. Noch hat die Irin vom Finowkanal nicht allzu viel gesehen. Nach den ersten Eindrücken steht für sie aber fest: "It's really lovely", "es ist wirklich wundervoll". In ihrer Heimat ist Lyons seit einigen Jahren für die wirtschaftliche Entwicklung der Region am Lough Derg, dem drittgrößten See Irlands, zuständig. Das Potential der Wasserwanderregion hier hat sich schon bei der Anreise erschlossen. "Diese Nähe zu Berlin ist ein Riesenvorteil", sagt sie.
Wie weitere Partner aus Großbritannien, Schweden und Italien ist Attracta Lyons bis heute Gast der deutschen Initiatoren von "Leinen los - Zukunft und Jobmotor Wassertourismus". Das transnationale Projekt, das der weiteren Entwicklung des Wassertourismus in der Oder-Havel-Region dienen soll, hat die Kommunale Arbeitsgemeinschaft (KAG) Region Finowkanal auf den Weg gebracht.
Die ersten Versuche dazu liefen vor einem Jahr. Ein Fördermittelantrag wurde erst einmal abgelehnt. Inzwischen ist das Netzwerk komplett und für ein Jahr können die Projektbeteiligten aus nun fünf Nationen mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds loslegen.
Gefragt ist für die Finowkanalregion vor allem das Know-how aus den schon länger entwickelten Wasserwanderregionen. Er hoffe auf Antworten "auf dringende Fragen, die wir haben", sagte KAG-Geschäftsführer Volkmar Ritter bei der Auftaktveranstaltung am Dienstag im Eberswalder Familiengarten.
"Wer sind die Menschen, die den Wassertourismus tragen? Wie kann man die nötige Professionalität entwickeln?" sind solche Fragen. Und: "Wie können Eigentümer und Region gemeinsam die Infrastruktur erhalten und entwickeln?" - der Finowkanal gehört dem Bund, der allerdings die Unterhaltung der rein touristisch genutzten Wasserstraßen außen vor lässt.
Zu den rund 30 Menschen, die am Dienstag im Familiengarten zusammengekommen waren, zählt auch die Schwedin Anna Meyer. Sie verantwortet das Marketing für den rund 190 Kilometer langen Götakanal mit 58 Schleusen. Die Erfahrungen umfassen etliche Jahre. "Wir lernen alle voneinander", erhofft sich Anna Meyer dennoch von dem internationalen Projekt.
Ihr Tipp an die Partner im Barnim: Netzwerken hilft, an allen Stellen angreifen aber nicht unbedingt. "Wir haben am Anfang alles gemacht, was nur ging. Man muss sich aber fokussieren", sagt Anna Meyer. Den Götakanal und andere Wasserstraßen vergleicht sie mit einer Bühne, auf der die Künstler agieren "und die Leute kommen, um sich die Show anzusehen". Die Zusammenarbeit mit Firmen, Kommunen und anderen Ansässigen sei enorm wichtig. "Netzwerken ist das Beste, was wir getan haben."
In dieser Hinsicht hat sich in den zurückliegenden Monaten am Finowkanal vieles getan. Und in den nächsten Monaten sei ebenfalls einiges zu erwarten, berichtet Hartmut Ginnow-Merkert vom Solarbootverein Berlin-Brandenburg, der ebenfalls "Leinen los"-Projektpartner ist. So seien ein Kanurennen bei Niederfinow, die Zusammenarbeit mit einem Yachtvermieter und ein Projekt mit ehrenamtlichen Finowkanallotsen geplant.
Gemeinsam mit der KAG eröffnet das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Eberswalde am Donnerstag die Schleusensaison am Finowkanal. Durchgängig bis zum 12. Oktober ist der Schleusenbetrieb an den zwölf Wasserstufen zwischen Ruhlsdorf und Liepe täglich zwischen 9 und 17 Uhr gewährleistet.
Durchgängig befahrbar ist der Finowkanal in dieser Saison vorerst allerdings nicht. Die Schleuse Stecher bleibt wegen dringender Reparaturarbeiten voraussichtlich bis zum 6. Juni geschlossen. "Die nötigsten Dinge, um die Betriebssicherheit herzustellen, werden jetzt erledigt", sagt Peter Münch, stellvertretender WSA-Leiter. Nach der Saison, im Herbst, solle die Schleuse dann instandgesetzt werden.