"Die Leute regen sich auf, wenn Bäume gefällt werden, und wenn man sie pflanzt, schreien sie auch", sagt Ortsvorsteher Matthias Gabriel (Bündnis Schorfheide). Der Lichterfelder Eckhardt Brenmöhl würde dieser Sicht auf die Dinge sicher nicht folgen. Der 70-Jährige hat in seiner Straße, der Steinfurter Allee, Unterschriften gesammelt. 65 von 89 Grundstücksbesitzer haben seine Petition unterschrieben, die besagt: "Wir lehnen das unsachgemäße und nicht fachgerechte Pflanzen von Großbäumen in der Steinfurter Allee ab."
Die Gemeinde will in der laubfreien Zeit im Herbst das "Straßenbild aufwerten": "Mit der Pflanzung von 33 neuen Linden soll der Alleecharakter der Steinfurter Allee wiederhergestellt werden", erklärt Heike Wähner. Alleen stellen laut Schorfheide-Sprecherin im bundesweiten Naturschutzprogramm einen schützenswerten Naturraum dar. Ihrer Wiederherstellung werde hohe Priorität eingeräumt. Die Pläne für Lichterfelde umreißt sie wie folgt: "Die neu zu pflanzenden Bäume ergänzen den Altbestand und werden auf gleicher Höhe mit den vorhandenen Bäumen stehen."
Eckhardt Brenmöhl hält die Größe der vorgesehenen Sommerlinden für unangemessen. "Ich hab nichts gegen Bäume", sagt er. "Aber warum müssen es so große sein?" Wenn die richtig loswüchsen, könnten sich die Anwohner von den Bürgersteigen verabschieden. Außerdem stelle jeder neue Baum, dessen Krone aufgegabelt sei, bei Sturm und Schneelast eine Gefahr dar.
Tatsächlich ist nach Aussage der Verwaltung im vergangenen August eine Linde bei einem Sturm umgestürzt. Aus Sicherheitsgründen seien im Herbst acht weitere Bäume gefällt worden. Bereits im August 2014 begannen die Anpflanzungen: Damals sind acht Linden hinzugekommen, gefolgt von zwei weiteren im Dezember 2015.
Schon dabei ist es laut Brenmöhl zu Versäumnissen gekommen. Einige Bäume seien zu dicht gepflanzt, manche nur sieben Meter voneinander entfernt - und das ohne Einwilligung der direkten Anlieger. "Warum spricht man nicht mit den Anwohnern?", fragt er. Ortsvorsteher Gabriel erklärt jedoch, genau dies in der Zwischenzeit getan zu haben. Anfang April habe er mit den Betroffenen geredet. "Da gab es nur wenige Leute, die strikt dagegen waren." Er räumt ein, dass einzelne Bäume "nicht ganz optimal" stünden. "Wir schauen, ob wir dort Einzelfalllösungen finden." Der Ortsbeirat gehe im Ganzen vollkommen konform mit den Plänen der Gemeinde.
Die Gemeinde wiederum schließt sich der Sicht des Ortsvorstehers an: "Während in der Petitionsliste von Eckhardt Brenmöhl, welche der Verwaltung vorliegt, noch 20 von 26 der betroffenen Haushalten gegen eine Neupflanzung stimmten, wünschen sich mittlerweile 19 von 26 Haushalten eine Nachpflanzung der fehlenden Alleebäume", erklärt Heike Wähner.
Dieser Darstellung widerspricht Brenmöhl vehement. Aus Gesprächen mit einigen Nachbarn wisse er: "Sie haben überhaupt nichts zugesagt." Auch bei einer Sitzung des Ortsbeirats, an der Ende April sowohl Gabriel als auch Brenmöhl teilgenommen haben, konnte keine Einigung erzielt werden.
Letzterer fordert nun, dass mit den Betroffenen eine schriftliche Übereinkunft gefunden wird und verspricht zugleich: "Ich bleibe auf jeden Fall dran." Selbst wenn ihn das Anliegen bis zum Landrat oder gar zum Petitionsausschuss nach Potsdam führe. So weit muss es allerdings nicht kommen. Für den kommenden Dienstag ist ein klärendes Gespräch mit Bürgermeister Uwe Schoknecht (Bündnis Schorfheide) anberaumt. "Wir werden dort versuchen, einen Kompromiss zu finden", kündigt Heike Wähner an.