Wer in den rot-gelben Bus einsteigt, sollte damit rechnen, dass die Fahrt abrupt zu Ende gehen kann. "Wenn es Alarm gibt, macht die Rettungsleitstelle eine Meldung an den Fahrer", erklärt BBG-Chef Frank Wruck. "Er bringt die Fahrgäste dann noch zur nächsten Haltestelle und fordert ein Ersatzfahrzeug an." Der Rettungsbus hingegen tritt die Fahrt zum Einsatzort an.
Seit Mittwoch verfügt der Landkreis über das im Land Brandenburg einmalige Fahrzeug. Vorgestellt haben es Vertreter von Kreis und allen im Barnim vertretenen Rettungsdiensten beziehungsweise im Katastrophenschutz organisierten Hilfsorganisationen auf dem Eberswalder Marktplatz.
Dort jaulte auch kurz das Martinshorn auf. Einen Beweis über die Fahrtüchtigkeit erbrachte außerdem Barnims Landrat Bodo Ihrke (SPD). Etwa zehn Meter und einen halben Wendekreis legte Ihrke, der den Busführerschein hat, ohne Personen befördern zu dürfen, am Steuer hin. "Das Fahrzeug eröffnet im Katastrophenfall für die Helfer vor Ort neue Möglichkeiten. Es ist schön, dass das Thema im Landkreis so auf offene Ohren stieß und sich Unterstützer gefunden haben."
Denkbar sei etwa, nicht oder nur leicht verletzte Unfallbeteiligte von der Autobahn zu retten, Ferienlager oder andere öffentliche Einrichtungen zu evakuieren oder Einsatzkräfte schnell an einen Unfallort zu bringen.
Die Idee dazu hatte Frank Wruck von einer Dienstreise nach Siegen (Nordrhein-Westfalen) mitgebracht. Dort hatten Wrucks Branchenkollegen im vorigen Jahr den deutschlandweit ersten Rettungsbus in die Spur geschickt. "Da habe ich gedacht: Das ist genau die Lösung, die wir brauchen", so Wruck. "Wenn es auf der Autobahn mal einen größeren Unfall gibt, stehen die Beteiligten am Straßenrand herum, möglicherweise im Regen oder neben einem brennenden Auto. Diese Problemlagen kannte ich aus Gesprächen mit Rettungsdiensten und dem THW."
Um den Barnimer Rettungsbus ins Rollen zu bringen, brauchten Wruck und Unterstützer nun ein dreiviertel Jahr. Die typischen BBG-Farben Grün und Weiß wurden mit Rot-Gelb sowie Fotos von ehrenamtlichen Rettungskräften überklebt. In die dreieinhalbtausend Euro dafür haben sich Wruck zufolge die Rettungsdienst GmbH, die Barnimer Sparkasse und die BBG geteilt. Kosten kamen außerdem für die Signalanlage hinzu.
Anita Stahnke, Geschäftsführerin der Rettungsdienst Landkreis Barnim GmbH, erinnerte an den Schulbusunfall auf der A 10 Anfang Juli. Am Stauende vor dem Autobahndreieck Barnim war ein Laster in den mit 51 Kindern besetzten Reisebus gekracht. 14 Kinder kamen in Krankenhäuser. "Wenn wir da den Bus schon gehabt hätten, wäre das natürlich ideal gewesen", so Stahnke. "Wir können stolz darauf sein, dass wir im Landkreis so einen Rettungsbus vorhalten", findet sie.
Christian Mann, der den Eberswalder Ortsverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) leitet, sieht in dem besonderen Linienbus weitere Vorteile. "Ich finde es gut, dass Werbung fürs Ehrenamt gemacht wird." Mann ist einer der Retter, die großformatig auf dem Bus abgebildet sind - neben dem Verweis auf die neue Internetseite www.ehrenamtlich-mitmachen-barnim.de. "Ich hoffe, dass die Internetseite rege genutzt wird und wir Bürger motivieren mitzumachen", sagt Mann. Zur Zeit sind vier von fünf ehrenamtlichen Katastrophenschützern im Landkreis hauptberuflich im Rettungsdienst tätig.
Der Rettungsbus soll nun auf jeder Linie in der Stadt unterwegs sein. Im Alltagsverkehr bleiben die Blaulichter aber aus. "Während der Fahrt sind sie mit Kunststoffhauben abgedeckt", sagt BBG-Chef Wruck.