Wer dem Lions-Club in Eberswalde beitreten will, braucht nach wie vor die Empfehlung eines langjährigen Mitglieds. Im Idealfall nimmt der Wohltäter in spe zudem an zwei, drei Versammlungen teil, bevor in offener Abstimmung über seinen Aufnahmeantrag entschieden wird. „Das ist die reine Theorie, in der Praxis läuft das weit pragmatischer“, sagt Frank Gesch (72), der dem Eberswalder Club in seiner vierten Amtsperiode als Präsident vorsteht und damit genau weiß, was er da von sich gibt.
Auch im 25. Jahr ihres Bestehens seien die Eberswalder Löwen stark daran interessiert, sich zum Wohle der Gemeinschaft personell zu verstärken. Das habe auch mit dem hohen Durchschnittsalter von inzwischen 66,9 Jahre zu tun. Deswegen sei im Club jeder willkommen, der Stärke, Mut, Treue und Lebenskraft einsetzen wolle, um den Schwächeren in der Gesellschaft zu helfen. „Wir merken schnell, wer zu uns passt“, betont Frank Gesch.

Hilfe für unschuldig in Not Geratene

Dass der Lions Club keineswegs exklusiv für Reiche reserviert sei, erst recht nicht in Eberswalde, lasse sich schon mit dem monatlichen Mindestbeitrag belegen, den das einzelne Mitglied aufbringen müsse. „In anderen Clubs mag das anders sein, doch bei uns werden wenigstens 25 Euro pro Monat fällig“, sagt der Präsident. Das sei weniger als ein Euro am Tag.
Den Eberswalder Löwen gehe es vor allem darum, in der Kreisstadt des Barnims unschuldig in Not Geratenen zu helfen. Die Unterstützung sei ausdrücklich für Bedürftige in der unmittelbaren Umgebung bestimmt. So werde intensiv danach gestrebt, die Zusammenarbeit mit der Grundschule Schwärzesee zu verbessern. „Denn die Bildungsstätte liegt im Brandenburgischen Viertel und damit in einem sozialen Brennpunkt und ist für etwa 450 Kinder zuständig, von denen viele einen Migrations- und Harz-IV-Hintergrund haben“, betont Frank Gesch. Die dort tätigen Pädagogen würden täglich Hervorragendes leisten. Aber es fehle an Personal, Geld und öffentlicher Wahrnehmung.

„Bock auf Zoo“ gemeinsam mit Rotary-Club

„Alle Menschen kommen klein, nackt, hellhäutig, blauäugig, ohne Zähne und oft auch ohne Haare zur Welt. Entscheidend ist das Umfeld, in das sie hineingeboren werden“, hebt der Präsident des Eberswalder Lions-Club hervor. Kinder würden nicht viel, um glücklich zu sein. „Sie brauchen aber Frieden, Geborgenheit und soziale Sicherheit“, sagt Frank Gesch. Deswegen engagiere sich der Club.
Bestellter Wohklang: Ein Saxophon-Quartett der Musikschule Barnim spielt zum Jubiläum des Eberswalde Lions-Clubs im "Café am Weidendamm" auf.
Bestellter Wohklang: Ein Saxophon-Quartett der Musikschule Barnim spielt zum Jubiläum des Eberswalde Lions-Clubs im „Café am Weidendamm“ auf.
© Foto: Dirk Panzlaff
Das Ziel der Eberswalder Löwen, der Gemeinschaft zu helfen, kommt auch bei der Unterstützung der Aktion „Bock auf Zoo“ zum Tragen, die gemeinsam mit dem Rotary-Club organisiert wird und die am 12. November eine Neuauflage erlebt. „Das Hauptanliegen ist es dabei, nicht einfach nur Laub zu harken“, berichtet der Präsident des Eberswalder Lions-Clubs. Viel mehr gehe es darum, junge Menschen mit erfolgreichen Unternehmern aus der Region zusammenzuführen und ihnen so Lebens- und Berufsperspektiven aufzuzeigen.

Gemeinnütziges Engagement in Westafrika

Doch der zur Wohltätigkeit verpflichtete Eberswalder Club ist nicht nur auf die Kreisstadt des Barnim fokussiert. Angeregt durch ihr ehemaliges Mitglied Marco Grensing, der dem Förderkreis Burkina Faso in Finowfurt vorsteht, haben sich die Löwen zudem in dem westafrikanischen Dorf Dorossiamasso engagiert. „In mehreren Projekten haben wir uns von 2008 bis 2015 als Co-Finanzierer für insgesamt knapp 15.000 Euro eingebracht“, sagt Frank Gesch. Jedes Mal seien die Clubmitglieder von den Berichten der heimkehrenden Helfer beeindruckt gewesen. „Und jedes Mal wurde uns aufgezeigt, wie groß doch der Unterschied in den Lebensverhältnissen hier und dort ist und wie viel Gutes sich doch mit realtiv bescheidenen Mitteln tun lässt“, urteilt der Präsident des Lions-Clubs Eberswalde.
Zum 25-jährigen Bestehen haben sich die aktuell noch 19 Mitglieder wieder einmal getroffen – zu einer Festveranstaltung im „Café am Weidendamm“ in Eberswalde, an der mit Joachen Lang auch der Governor des Lions-Clubs-Distrikts Ost-Nord teilgenommen hat, der Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern umfasst. In den drei Bundesländern zusammen gibt es 89 Clubs mit 2300 Mitgliedern, bundesweit sind es knapp 1600 Clubs mit 51.000 Mitgliedern. „Der Governor ist so etwas wie ein Ministerpräsident und damit echt ein wichtiger Mann“, sagt Frank Gesch.

Höchste Auszeichnung für zwei Mitglieder

Der ranghohe Löwe hat an Peter Branding und Stephan Frauendorf, die neben Angelika Grimmberger, Dirk Uhlig, Rainer Wiegand und dem aktuellen Präsidenten zu den Gründungsmitgliedern des Clubs in Eberswalde zählen, Distrikt Governor Appreciation Awars verliehen. „Das ist die höchste Lions-Auszeichung, die es gibt. Und sie kam hochverdient“, lobt auch Frank Gesch das ehrenamtliche Wirken der beiden Clubmitglieder.