Anke Fischer ist eine von zwei Beratern des Gründungszentrums. Bei ihren Infoveranstaltungen fragt sie manchmal zu Beginn in die Runde, wer schon selbstständig gearbeitet hat. "Oft geht nur ein Finger nach oben", sagt die 34-Jährige. "Wenn ich aber wissen möchte, wer bereits eine Rechnung geschrieben hat, melden sich plötzlich viele."
So ist das 2008 gegründete Zentrum nicht nur für ambitionierte Projekte wie die Gründung eines innovativen Technologieunternehmens mit hundert Mitarbeitern zuständig. "Wir richten uns gezielt auch an diejenigen, die überschaubarere Ideen haben. Es können auch Hochschulangehörige zu uns kommen, die etwa Spaziergänge durch Eberswalde und Umgebung organisieren wollen", sagt Anke Fischer.
Wer sich selbstständig machen möchte, wird in Brandenburg nicht allein gelassen. Das Brandenburgische Institut für Existenzgründung und Mittelstandsforschung hat an jeder Hochschule im Bundesland ein Gründungszentrum installiert.
Dort können sich Studenten und Absolventen bis fünf Jahre nach ihrem Abschluss kostenlos beraten lassen. Und das Förderprogramm "BIEM-Startup-Navigator" in Anspruch nehmen. Dieses wird aus Bundes-, Landes- und EU-Mitteln finanziert. Den angehenden Freiberuflern und Unternehmern werden Experten zur Seite gestellt, die bei Fragen rund um die Selbstständigkeit helfen sollen. "Pro Kopf oder Team gibt es aktuell ein Guthaben von 3000 Euro. Die Teilnehmer können davon zwischen qualifizierten Rechts-, Steuer- und Marketingberatern auswählen. Darüber hinaus haben wir auch fachspezifische Experten an der Hand", so Fischer. Voraussetzung für die Förderung ist jedoch, dass das Unternehmen in Brandenburg gegründet wird.
Wenn die studierte Betriebswirtin mit Qualifizierung im Umweltmanagement berät, weiß sie, wovon sie spricht. Anke Fischer hat während des Studiums an einem eigenen Marktstand auf dem Wittenberg-Platz in Berlin-Schöneberg Zuchtpilze verkauft. "Es ging mit Champignons los. Als es gut lief, habe ich auch andere Sorten wie Shiitake-Pilze ins Sortiment aufgenommen." Später habe sie kurzfristig ein Geschäft für Damenmode in der Gründungsphase übernommen. Und es vom Innenausbau über die Kleiderwahl bis zum Verkauf organisiert. "Als alles lief, habe ich es übergeben", sagt Fischer, die es vor allem liebt, Ideen zu realisieren. Sogar solche wie eine Boutique, obwohl sie Mode eher weniger interessiert.
"Selbstständigkeit ist gerade auch für Studenten eine Alternative zum Minijob", sagt Fischer, die jungen Leuten die Scheu vor dem ersten Schritt nehmen möchte. "An der Hochschule können erste unternehmerische Erfahrungen in einem geschützteren Raum gesammelt werden. Die Studierenden können auch Professoren um Rat fragen."
Insgesamt habe sie im vergangenen Jahr 70 Erstgespräche geführt, in diesem Jahr bisher allein schon 50 Ideen vorgestellt bekommen. Wichtig sei, dass die Studenten kommen, bevor sie ein Gewerbe angemeldet haben. "Die Gründung ist ein magischer Moment", danach seien die Fördermöglichkeiten eingeschränkt. Ein Businessplan vor der Beratung sei nicht erforderlich, so Fischer.
In der Gründergalerie auf der Internetseite sind Porträts von erfolgreichen Neugründungen zu finden. Darunter die in Eberswalde ansässige Marketingagentur "kienappel". Das Unternehmen "Konzertkultour", das nachhaltige Dienstleistungen wie eine bewachte Fahrradgarage für Festivals anbietet. Oder das Zentrum "Leben in Einheit", in dem auch Yoga trainiert werden kann.
Gründungszentrum, Alfred-Möller-Straße 1, www.hnee.de, Telefon 03334 657-454