Zugleich war das zur Fahrgastbeförderung hergerichtete Schiff der letzte Finowmaßkahn, der tatsächlich noch auf dem Finowkanal verkehrte. Bis es erneut verkauft wurde und im vorigen Jahr fast unbemerkt vom Finowkanal verschwand. Der Kahn soll bei Peenemünde liegen und als Ferienwohnung dienen.
Jetzt will der Verein "Unser Finowkanal" der ältesten künstlichen Wasserstraße Deutschlands, die noch in Betrieb ist, ein schwimmendes Wahrzeichen zurückgeben. "Wir denken darüber nach, einen Maßkahn zu beschaffen", sagt der Vereinsvorsitzende Hartmut Ginnow-Merkert. Ein Angebot gebe es. "Wir müssen schnell handeln, sonst kommt der Kahn auf den Schrott."
Über die mögliche Anschaffung diskutierte der Stammtisch des Vereins, der in der vergangenen Woche im "Schleusenkrug" an der Drahthammer Schleuse in Finow zusammengekommen war. Dass das Thema einen Nerv trifft, zeigte die große Zahl der Besucher. Rund 30 Interessenten, darunter viele, die dem erst im Dezember vorigen Jahres gegründeten Verein bislang nicht angehören, waren der Einladung an den Finowkanal gefolgt.
Über die langen Tische hinweg und vor der dominanten Geräuschkulisse der Schleuse war das nicht leicht. Dennoch nimmt Vereinschef Ginnow-Merkert nach der über zwei Stunden währenden Debatte eine eindeutige Tendenz mit: "Kaufen, herbringen, sichern und gucken, wie es weitergeht", fasst er zusammen.
Der Verein setzt sich für die durchgängige Befahrbarkeit des Finowkanals sowie den Betrieb aller zwölf Schleusen ein. Sinnbild für die Zukunft der Wasserstraße könnte auch ein Maßkahn sein. "Die Region sollte den Finowmaßkahn als Symbol und Herzstück ihres wirtschaftlichen Entstehens würdigen", sagt der Vereinsvorsitzende. Das Finowmaß war das erste standardisierte Maß für die Binnenschifffahrt und wurde 1845 speziell für den Finowkanal festgelegt.
Gelder für den Kauf könnte der Verein offenbar zusammenbringen. In der Stammtischdiskussion ging es zum Teil auch schon um Betreiberkonzepte. "Möglichkeiten wären ein Eignerkonzept, das heißt, drei, vier Unternehmer finanzieren", sagt Bootsbauunternehmer Björn Killermann. "Oder über Spenden."
Ideen gebe es viele - etwa den Betrieb als Café oder Museum, möglicherweise auch auf dem Trockenen. Denn Probleme wie Schwimmfähigkeit, Reparaturen, Liegegebühren und der Verwendungszweck sind noch ungeklärt. Um Mittel bewerben könnte sich der Verein beim Eberswalder Bürgerbudget oder beim Lotteriesparen der Sparkasse, so die Vorschläge aus der Runde.
Einzelheiten zu dem Angebot wollen die Vereinsmitglieder noch nicht preisgeben, könnten doch andere Käufer schneller sein. Eine Entscheidung über die Anschaffung steht ohnehin noch aus. "Das ist ausdrücklich Aufgabe der Mitgliederversammlung", so Ginnow-Merkert.