Von Nord nach Süd, von Ost nach West – 60 Reporter von 30 Zeitungen aus dem gesamten Bundesgebiet nehmen in dieser Woche am Reportertausch teil – auch die Märkische Oderzeitung. Ich habe meinen Redaktionsstuhl in der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) in Kassel gegen einen in der Redaktion in Eberswalde getauscht.
Mit fremdem, unverbrauchtem Blick auf eine andere Stadt, ihre Menschen und Geschichten zu blicken – darum geht es beim Reportertausch. Ich werde in dieser Zeit von meinen Erfahrungen in Eberswalde berichten. Die Beiträge sind in den kommenden Tagen in der Printausgabe des Barnim Echo sowie auf der Internetseite der MOZ zu lesen.
Ich bin als Tochter eines Ägypters und einer Deutschen in Kassel geboren und aufgewachsen. Mein Interesse an der arabischen Welt, ihrer Kultur, Kunst, Geschichte und ihren Menschen ist deshalb schon familiär bedingt. Schon als Kind habe ich gerne Geschichten gehört und erzählt. Der Schritt in den Journalismus war daher nur konsequent. Studiert habe ich Arabisch und Geschichte in Kairo, Alexandria und London und danach bei der Hessischen/Niedersächsischen Zeitung (HNA) volontiert. Ich war Auslandskorrespondentin für den Spiegel in Kairo und habe im Anschluss bis 2016 in Ägypten als freie Korrespondentin gearbeitet. Seit Juni 2017 bin ich Redakteurin in der Lokalredaktion Kreis Kassel bei der „HNA“ und glücklich, wieder in der nordhessischen Heimat zu sein.
Ich bin zwar schon viel gereist, aber in Eberswalde war ich zuvor noch nie. Warum ich gerade in den „tiefsten Osten“ gehen würde, haben mich manche gefragt. Weil es das letzte große Abenteuer ist und Bamberg jeder kann, war meine Antwort. Außerdem wollte ich wissen, ob die vielen Vorurteile, die „Wessis“ über „Ossis“ und den Osten haben, nun stimmen oder nicht. Nach zwei Tagen lautet die Antwort: Sie stimmen nicht. Bisher ist mir noch kein Neonazi mit Springerstiefeln über den Weg gelaufen, der mich zurück nach Ägypten schicken wollte. Stattdessen habe ich nur liebenswerte Menschen getroffen, junge Familien auf den vielen Spielplätzen der Stadt beobachtet und Studenten, die am Nachmittag auf den zahlreichen Grünflächen im Schatten eines Baumes Tai-Chi machen. Hippe Eis-Manufakturen mit veganem Eis gibt es für diese bewusst lebenden Menschen auch und Bio-Läden sowieso. In den kommenden Tagen will ich nun weiter beobachten und herausfinden, was Eberswalde für die Menschen, die hier leben und hierherziehen, attraktiv und lebenswert macht.
Ohne die Experten, die sich vor Ort bestens auskennen und vernetzt sind, geht Qualitätsjournalismus nicht, heißt es vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, der den Austausch organisiert. Ein neuer Reporter könne aber das vor Ort Bekannte mit anderen Augen sehen und so neue Geschichten erzählen.
Die teilnehmenden Medienhäuser tauschen für fünf Tage Reporter, die in Lokalredaktionen in einer fremden Region zum Einsatz kommen. Dabei wechseln nicht zwei Zeitungen jeweils untereinander ihr Personal, sondern die Redakteure werden im gesamten Pool der Medienhäuser eingesetzt.