Bei seiner Festansprache auf dem Neujahrsempfang der Stadt Eberswalde erklärt Bürgermeister Friedhelm Boginski im Januar allen an der Stadtpolitik Interessierten endlich, weshalb die Volksvertreter gleich drei Monate lang sitzungsfrei haben. Dies sei ein wichtiger Beitrag gegen die Erderwärmung. Während der Beratungen in den Fachausschüssen und im Parlament werde einfach zu viel heiße Luft produziert. Das sei schlecht fürs Klima, ist de Rathausspitze überzeugt. Die harsche Kritik des Stadtoberhauptes an ihrer Arbeitsweise wird von den meisten Gescholtenen um des lieben Friedens willens ignoriert. Nur der partei-, bündnis- und fraktionslose Stadtverordnete Carsten Zinn ist derart empört, dass er im Mai protokollrelevant ankündigt, aus Protest drei Tage lang keine E-Mails mehr an Dezernenten, Amtsleiter und Sachbearbeiter zu versenden. Im Rathaus bricht daraufhin wegen drohender Unterbeschäftigung Panik aus.
Greta kommt zu Besuch
Im August sind plötzlich alle Konflikte zwischen Eberswaldes Rathausspitze und der Ein-Mann-Opposition null und nichtig: Ein Brief von Greta Thunberg sorgt für Friede, Freude und Eierkuchen. Die junge Klimaaktivistin aus Schweden lobt die Entscheidungsträger der Barnimer Kreisstadt überschwänglich dafür, bereits im Dezember 2019 ein "Eberswalder Klimapaket" beschlossen zu haben, in dem die Eindämmung der als "Klimakrise" bezeichneten Veränderungen in der Umwelt als Aufgabe von hoher Priorität auf kommunaler Ebene anerkannt wird. Ihre späte Reaktion entschuldigt sie damit, dass es eine Weile gedauert habe, das kaum verständliche Amtsdeutsch der Vorlage in ihre Muttersprache übersetzen zu lassen. Für September kündigt Greta Thunberg sogar einen Besuch in Eberswalde an. Allerdings könne sie den genauen Termin ihrer Ankunft nicht angeben, da sie den weiten Weg zu Fuß zurücklegen werde, um möglichst wenig Kohlendioxid zu erzeugen.
Mail am tausende Empfänger
Im Oktober, die Klimaaktivistin ist längst schon wieder auf dem Rückweg, verabschieden die Stadt Eberswalde und die Hochschule für nachhaltige Entwicklung eine gemeinsame Nachhaltigkeitsstrategie, die global Eindruck macht. Und zwar nachhaltig. Denn obwohl in allen Fachausschüssen über das Papier beraten wurde, ist es beinahe verständlich geblieben. Dieser Umstand wird im November in einer Rundmail von Carsten Zinn an tausende Empfänger hervorgehoben und in der Festansprache des Bürgermeisters auf dem Neujahrsempfang 2021 ausdrücklich gewürdigt.