Allein der aktuelle Wochenplan ist beeindruckend. Da wird Hausaufgabenhilfe angeboten, am Donnerstag läuft ein Deutschkurs 50plus, am Dienstag das Kinderprojekt "Tandem" - dort gilt es, beim Puppentheater Deutsch zu lernen, ohne die eigene Muttersprache zu verlieren. Allein 24 regelmäßige Angebote führt der Kontakt-Kalender auf.
Eine Bibliothek, die vor zwölf Jahren gegründete Chorgruppe Iwuschka oder die "Stadtbegleiter", die zum Beispiel Dolmetscherdienste oder Begleitung bei Behördengängen für Neuankömmlinge anbieten, enthält diese Liste noch gar nicht. Der Verein organisiert Ferienspiele, kulturelle Veranstaltungen, Musik- und Theaterangebote.
"Es gibt nichts, was der Verein nicht macht im Bereich der Integration", würdigte Brandenburgs Sozialminister Günter Baaske (SPD) den Eberswalder Verein Kontakt. "Genau diese Vielfältigkeit hat uns auch überzeugt", sagte er am Dienstagnachmittag im Paul-Wunderlich-Haus.
Dorthin hatten das Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie und Barnims Landrat Bodo Ihrke (SPD) zur Verleihung des 6. Brandenburger Integrationspreises eingeladen. Um die mit insgesamt 5000 Euro dotierte Ehrung konnten sich Einzelpersonen, private Initiativen und Vereine, Einrichtungen, Unternehmen oder Kommunen bewerben.
20 Bewerbungen zählte das Ministerium. Eine Jury wählte neben dem Eberswalder Kontakt-Verein das Netzwerk Integration/Migration des Landkreises Teltow Fläming aus, verbunden mit einem Preisgeld von 2000 Euro."Kontakt" erhält 3000 Euro. Der Verein zeige eindrucksvoll, dass Zugewanderte sich integrieren wollen und trage maßgeblich "zur interkulturellen Öffnung der Stadt bei", betonte Baaske.
"Das ist eine sehr wichtige Auszeichnung", sagte Landrat Bodo Ihrke. "Zu- und Abwanderung passiert auf der ganzen Welt. Alle müssen sich damit auseinandersetzen." Ihrke nutzte die Preisverleihung aber auch zu einer Kritik an gesetzlichen Vorgaben im Asylbereich. "Da sind wir in Deutschland leider nicht Vorbild." Der gesetzliche Rahmen für eine Willkommenskultur sei "gelinde gesagt: verbesserungswürdig".
Sowohl der Minister als auch der Landrat würdigten jedoch insbesondere das Engagement von Irina Holzmann, der Vorsitzenden des Vereins. "Ihr gelingt es immer wieder, andere zu überzeugen mitzumachen", sagte Ihrke. Holzmann hatte als Einzelperson bereits 2009 den Integrationspreis erhalten.
Der Verein Kontakt Eberswalde war 2005 aus einer Initiative von Spätaussiedlern heraus entstanden. Schon damals war Irina Holzmann, die 1994 aus Kasachstan nach Deutschland kam, dabei. "Damals wurde nur über eine Aussiedler- und Ausländerproblematik gesprochen", sagte die frühere Lehrerin nun. "Wir haben es geschafft, dass wir über einen Gewinn sprechen - wir sind ein Gewinn für Eberswalde, für Brandenburg und für Deutschland."
Gerade zu Beginn habe es viele Schwierigkeiten gegeben, blickt Holzmann zurück. "Wir mussten ganz viele Menschen überzeugen - Einheimische und skeptische Migranten." Über 20 Nationen erreichen die Angebote. 45 aktive Mitglieder habe der Verein heute, die allesamt ehrenamtlich in die Projekte eingebunden sind. Gerade für sie sei der Integrationspreis eine Anerkennung, die im Ehrenamtsbereich manchmal fehle, "Mut für weitere Projekte", sagt die 41-Jährige.
Ideen dafür gehen dem Verein nicht aus. "Es gibt so vieles, was wir noch vorhaben", sagt Irina Holzmann. "Wir wollen noch Kinderprojekte und ein Internetcafé aufbauen und einen Ausflug für Vereinsmitglieder organisieren, die noch nie außerhalb von Eberswalde in Deutschland unterwegs waren."