Sinkende Kinderzahlen nach der Wende, Kitas und Schulen werden geschlossen. Mitunter sogar abgerissen. Nun werden sie wieder gebraucht - und fehlen. Vor allem im Brandenburgischen Viertel. Denn es werden wieder mehr Eberswalder geboren. Zudem hat gerade dieses Wohnquartier viele Spätaussiedler- und Flüchtlingsfamilien aufgenommen. Die Bildungseinrichtung Buckow, die vor Jahren die einstige Kita "Harlekin" übernommen und dort u. a. eine Ausbildungsstätte und eine Beratungsstelle eingerichtet hatte, trägt dem gewachsenen Bedarf Rechnung: mit der Eröffnung der Kita "Kleeblatt" - und zunächst einer Gruppe.
Nein, es gibt keine Reden, keinen offiziellen Akt am ersten Tag. Keine Stippvisite von Honoratioren. Das "Kleeblatt" geht ohne großes Brimborium in Betrieb. Eben mit einem ganz normalen Kita-Tag. Ibrahim, Rohlat, Ulfat und Co. haben sich beim Obstfrühstück noch schnell gestärkt, eine Portion Vitamin C, dann geht es raus - auf den Spielplatz.
Es ist die sechste Kindereinrichtung, die Buckow betreibt. In Regie der Bildungseinrichtung laufen bereits drei Kitas bzw. Horte in Schorfheide sowie zwei in Eberswalde. Buckow hat also Erfahrung. Gleichwohl sei das "Kleeblatt" nicht mit den anderen Häusern vergleichbar, sei etwas Besonderes, sagt Geschäftsführerin Annette Ruhtz. Die Kita im Brandenburgischen Viertel habe die sehr spezifische Bewohnerstruktur zu berücksichtigen. Weshalb zum Start fast ausschließlich Mädchen und Jungen aus Flüchtlingsfamilien aufgenommen wurden. 19 Kinder, die fast alle im August zur Schule kommen und die genau darauf vorbereitet werden sollen. Weshalb Buckow auch von der "Bewegten Vorschule" spricht.
Eigentlich sollte die Einrichtung bereits Ende vorigen Jahres ans Netz gehen. Aufgrund von Auflagen des Bildungsministeriums hat sich der Start jedoch um drei Monate verzögert. Ruhtz lobt dennoch die sehr gute Zusammenarbeit mit Potsdam, aber auch mit dem Kreis und der Stadt. Genehmigt sind nunmehr 30 Plätze. Aber man wolle langsam wachsen. Und: Bis spätestens Anfang 2023 soll es ein "ausgewogenes Verhältnis" in puncto Herkunft geben.
In den kommenden Tagen und Wochen werde man zunächst fünf weitere Kinder aufnehmen, erklärt Kerstin Schadow, Kita-Koordinatorin bei der Bildungseinrichtung Buckow. "Dafür haben wir das Personal." Soll heißen: zwei Erzieherinnen (neben der Kita-Leiterin). Für die Erhöhung der Kinderzahl sei dann zusätzliches Personal nötig. Vorrang bei der Platzvergabe, die in enger Abstimmung mit der Stadt erfolge, hätten zunächst die Jahrgänge 2012 und 2013.
Perspektivisch aber strebt Buckow an der Spreewaldstraße ein Komplettangebot an: null bis sechs Jahre. Für den Aufbau des Krippenbereichs sei der Träger allerdings auf Fördermittel angewiesen, denn es seien bauliche Anpassungen nötig. "Da sind wir dran", so Schadow, wohl wissend, dass die Nachfrage nach Kita-Plätzen im Brandenburgischen Viertel groß ist. Und auch Buckow mit angepeilten 75 Plätzen die nicht allein wird decken können.
Aber: Das kleine "Kleeblatt", wie Schadow den Start mit 19 Kindern bezeichnet, sei ein Anfang. Mit Blick auf das nahe Zuckerfest habe die Kita Spielpatenschaften vereinbart. Etwa mit der Kita "Arche Noah", "Gestiefelter Kater" und dem Hort. "So lernen die Kinder schon mal ihre künftigen Mitschüler kennen", sagt Schadow. Rohlat (6) freut sich bereits auf die Schule. Ebenso wie Ibrahim (6), der recht gut Deutsch spricht. Er habe zuvor regelmäßig die Eltern-Kind-Gruppe besucht, weiß Erzieherin Ines Berger.
Öffnungszeit: von 7 bis 16 Uhr