So viel vorweg: Die schwere Darminfektion macht auch vor dem Barnim nicht halt. „Aber an der bereits bekannten Zahl von zwei bestätigten Fällen hat sich nichts geändert. Beide Krankheitsfälle verlaufen unkompliziert, die Patienten sind schon wieder zu Hause und befinden sich weiter in Kontrolle “, heißt es in einer Stellungnahme des Verbraucherschutz- und Gesundheitsamtes der Kreisverwaltung vom Freitag. Überdies gebe es momentan nur einen vagen Verdachtsfall, der gerade abgeklärt werde. Von einer Epidemie könne folglich keine Rede sein.
Dennoch wirkt sich EHEC auf das Alltagsleben in Eberswalde aus. Wer auf die beruhigenden Auskünfte der regionalen Gemüse-Anbauer vertraut und zum Mittag etwas Frisches bestellt, wird vielerorts enttäuscht. „Aus Vorsicht haben wir Gurken, Tomaten und Salat derzeit aus dem Angebot gestrichen“, sagt zum Beispiel Jörg Nüske, Chefkoch in der Hochschul-Mensa. Auch Sprossen sucht man vergeblich.
„Sprossen würde ich jetzt auch nicht gerade essen, aber Gurken und Tomaten fehlen mir“, räumt Ksenija Rodos ein, die an der Hochschule im zweiten Semester Unternehmensmanagement studiert und in der Debatte um die gefährlichen Darmkeime „Züge von Panikmache“ sieht.
Auf Gurken, Tomaten und Sprossen verzichtet überdies der Ostthüringer Imbiss in der Rathauspassage. „Wir würden auf unserer Ware sitzen bleiben, wenn wir nicht reagiert hätten“, sagt Nancy Beuster. Die Kundschaft lehne das unter Generalverdacht stehende Gemüse ab.
Bei Subway im Paul-Wunderlich-Haus verkündet bereits ein Plakat im Schaufenster, dass es bis auf Weiteres keine Gurken, Tomaten und Blattsalat zu kaufen gibt. „Obwohl wir mit Paprika, Peperoni, Gewürzgurken, Zwiebeln und Oliven genügend Alternativen zur Auswahl haben, sind manche Stammkunden sauer, weil sie nicht ihre gewohnten Menüs zubereitet bekommen“, sagt Julia Karhian. Sie hoffe, dass die Einschränkungen nach Pfingsten aufgehoben werden.
Bei Mc Donald‘s in der Rathauspassage hingegen läuft alles wie vor EHEC. „Frische Gurken verarbeiten wir ohnehin nicht, Tomaten und Salat sind nach wie vor im Sortiment zu finden“, sagt eine Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht nennt. Das Gemüse werde zentral eingekauft und beprobt. Pannen könne sich das Unternehmen nicht leisten.
„Wem schmeckt schon der Döner ohne grünes Beiwerk?“, fragt indes Cetir Sar von Yamas an der Eisenbahnstraße. In dem türkischen Imbiss liegen weiterhin Tomaten und Gurken in der Auslage. Zwar gebe es stets auch Kunden, die das Fladenbrot nur mit Fleisch und Würzsauce ordern. Aber deren Zahl sei unverändert
Im Asia-Imbiss gegenüber versteht Tran Quang Phong die Aufregung über EHEC nicht. „Unsere Nudelpfannen sind ohne Sprossen schwer vorstellbar“, erklärt er. Alles Gemüse werde im Wok so stark erhitzt, dass Keime keine Chance hätten. „Bisher jedenfalls ist keiner unserer Kunden wegen unseres Essens im Krankenhaus gelandet. Ich bin überzeugt, dass es so bleibt“, sagt der Inhaber. Weil die Nachfrage der Kunden danach rapide zurückgegangen sei, verwende er aktuell allerdings keinen Salat mehr.
„Es fällt mir schwer, aber ich habe derzeit Tomaten, Gurken und Sprossen von meinem Speiseplan gestrichen“, verrät Günter Schütze aus Eberswalde, der sich unterwegs ein spätes, gemüsefreies Frühstück gönnt.
Alle Speisen-Anbieter in Eberswalde wünschen sich, dass der Auslöser der gefährlichen Krankheiten endlich gefunden wird.