"Solch einen Ansturm haben wir zuletzt erlebt, als eine komplette Kita nebst Erziehern und Eltern bei uns zu Besuch war", freute sich Harald Kothe-Zimmermann, der Vorsitzende der Sternfreunde Eberswalde, am Sonnabend über das Gedränge. Der Verein hat nicht ganz 20 Mitglieder und betreibt die einzige Sternwarte der Barnimer Kreisstadt, die seit 2011 auf dem Dach der Karl-Sellheim-Schule für astronomische Laien unglaubliche Himmelsblicke bietet. "Mit unserem größten Teleskop, einem Linsenfernrohr mit 150 Millimeter Durchmesser, können wir Objekte in einer Entfernung von 30 Milliarden Lichtjahren erfassen", brachte der Vereinsvorsitzende sein Publikum zum Staunen. Dagegen ist der Jupiter fast nebenan zu finden. Seine Entfernung zur Erde beträgt im Durchschnitt 400 Millionen Kilometer. Und der Mond ist bloß 380 000 bis 395 000 Kilometer weit weg. "Diese Dimension lässt sich schon eher fassen", betonte Harald Kothe-Zimmermann. Sie entspreche der Gesamtlaufleistung eines früheren Mercedes-Dieselmotors.
Der Vereinsvorsitzende interessiert sich brennend für die Sternenkunde, seit er vor mehr als 40 Jahren zufällig in einer Leihbücherei in die Abteilung mit astronomischen Büchern geriet und hängenblieb.
Bei Anita und Daniel Nowitzki aus Eberswalde war es der Wunsch, mit ihren Kindern David (12) und Lennard (6) ein spannendes Abenteuer zu erleben, der sie zum Tag der offenen Tür in der Sternwarte führte. "Wer hat sich nicht schon Gedanken über die Unendlichkeit gemacht?", fragte Daniel Nowitzki.
Für Heidi Viete aus Westend war die Gelegenheit günstig, endlich die Anlage auf dem Schul-dach in ihrer Nachbarschaft zu besichtigen. "Sonst treffen sich die Sternfreunde ja meist erst am Abend. Da gehe ich nicht mehr so gern raus", verriet sie.
Zu den Vereinsmitgliedern, die an jedem letzten Donnerstag im Monat in der Sternwarte zusammenkommen, zählt Manfred Schneider. "Mich begeistern besonders markante Sternbilder wie der Orion oder links hinter ihm der Sirius", sagte der Finower, der sogar ein kleines Teleskop zu Hause hat und bei klaren Nächten freiwillig stundenlang auf den Schlaf verzichtet.
Aktuell lohnt sich ein Blick gen Himmel noch mehr als sonst. "Der Mars, unser äußerster Nachbarplanet, steht der Sonne genau gegenüber. Wir können ihn jetzt die ganze Nacht lang sehen. Dieses Schauspiel gibt es nur alle zwei Jahre", hob Sternfreund Wolfgang Seyfarth aus Eberswalde hervor.
Dass ein Einschlagskrater auf dem Mars den Namen der Barnimer Kreisstadt trägt, ist eine Episode, die Harald Kothe-Zimmermann gern erzählt. "Aber wie der Forscher hieß, der Eberswalde diese Ehre zuteil werden ließ, habe ich bis heute noch nicht herausgefunden", bedauerte der Vereinsvorsitzende.