Für den langjährigen Lehrer ist der Montagnachmittag ein Heimspiel. "Was ist auf der Naturwiese alles so drauf?", fragt Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) die vielen Kinder, die sich um ihn drängen. "Tiere", ruft der eine. "Blumen", die andere. Alle sind sie Teil des Projekts "Bunt statt grau - eine Wiese fürs BV", das nun im Brandenburgischen Viertel sein Abschlussfest erlebt hat.
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Organisiert wurde die Wiesen-Gruppe von der Stiftung WaldWelten und der Kita "Arche Noah". Vor deren Pforten hat sich noch vor Kurzem eine weite Brache erstreckt, die früher wiederum ein Parkplatz gewesen ist. Wenn die rund 80 Besucher des Abschlussfestes nun auf die von bunten Wimpeln begrenzte Fläche schauen, will ihnen die vergangene Trostlosigkeit nicht mehr recht in den Sinn kommen.
Friedhelm Boginski bohrt nach bei den jungen Botanikern: "Wie genau heißen denn die Blumen, die da blühen?", fragt er. "Kornblume", weiß jemand beizusteuern. "Mohnblume", sagt ein anderes Kind. Außerdem stehen Johanniskraut, Lichtnelken und andere Feldblumen und Wildkräuter auf der Wiese, mehr als 50 insgesamt. "Diese Vielfalt ist wirklich toll", sagt WaldWelten-Geschäftsführerin Karin Siegmund.
Ein schmaler Pfad schlängelt sich durchs Areal, links und rechts des Weges blüht es rot, gelb und blau. Kurz nachdem der Bürgermeister feierlich ein rotes Band am Rand durchschnitten hat, flitzen die Kinder durch die Wiese - nicht immer nur innerhalb der Grenzen des Weges.
Die Vegetation ist auch Lebensraum vieler Tiere. "Wir haben hier sehr, sehr viele Insekten gefunden", sagt Petra Boden, die Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte. Auch eine Schlange sei dabei gewesen. Aus diesem Grund steht am Tag der Eröffnung ein kleines Forschungslabor bereit. Mit Mikroskopen und Bestimmungsbüchern untersuchen die jungen Besucher, was auf der Wiese so alles kreucht und fleucht.
In der Projektgruppe selbst sind seit Februar ein Dutzend Kinder vom Hort aktiv gewesen, der unterm Dach der Kita angesiedelt ist. Durch die Wiese werden sie auch weiterhin toben, doch für das WaldWelten-Projekt ist erst einmal Schluss. Dabei will die Stiftung, die sich der Umweltbildung verschrieben hat, gern weitermachen. "Die Fördermittel sind beantragt", erklärt Anna Kolossova, die die Wiesen-Gruppe geleitet hat. Doch Konkretes gebe es noch nicht.
"Wir würden die Wiese gern näher erforschen", sagt sie. Aber auch Standorte für neue Wiesen sind zwischen der Stiftung und der Wohnungsbau-und Hausverwaltungs-GmbH (WHG) angedacht. Der gehört die Fläche vor der Kita "Arche Noah", die noch um einiges größer ist, als der nun blühende Bereich des Wiesen-Projekts. Doch auch für den Rest gebe es keine aktuellen Planungen, wie Jörn Klemens von der WHG am Montag bestätigt.
Nur einen kurzen Fußmarsch weiter in den Wald hinein war in den vergangenen sechs Monaten eine weitere von den WaldWelten ins Leben gerufene Gruppe am Werk: Woche für Woche haben an den "Wald-Familientagen" ein Dutzend Kinder gemeinsam mit ihren Eltern den Lebensraum unter den Bäumen erforscht, Tierspuren verfolgt, Hölzer geschnitzt und ein Lagerfeuer gemacht - natürlich unter Aufsicht des Försters, wie die Leiterin Daniela Stöckhardt betont.
Auch wenn die Gruppe kein so spektakuläres Ergebnis wie eine blühende Wiese vorzuweisen hat: Ein wenig Begeisterung für die Natur haben die Kinder sicher auch aus dem Wald mit nach Hause genommen.