In Grünheide, Oder-Spree, geht die Post ab. Da lässt Tesla seine Großfabrik errichten, in der bis zu 12 000 Arbeitsstellen entstehen sollen. Und aus der Lausitz will Brandenburgs rot-schwarz.grüne Landesregierung eine Modellregion des Strukturwandels machen – mit Förderzuschüssen ohne Ende. Und was passiert mit dem Barnim?
„Stellt Euer Licht nur ja nicht unter den Scheffel“, ruft Dietmar Woidke die Barnimer auf. Der Ministerpräsident ist zu Besuch in der Eberswalder Lokalredaktion der Märkischen Oderzeitung. Mit ihm sitzt auch Barnims Landrat Daniel Kurth (SPD) am Tisch.

Barnimer Unternehmen profitieren von Tesla

Der Ministerpräsident verweist darauf, dass Grünheide nur wenig mehr als eine Autostunde von Eberswalde entfernt liegt. „Schon vom Bau der Fabrik werden auch Barnimer Unternehmen profitieren“, betont er. Auch der zukünftige Arbeitskräftebedarf bei Tesla, bei den Zulieferern und bei den nachgeordneten Einrichtungen werde bei Weitem nicht nur in Oder-Spree gedeckt. „Da kommt ganz Brandenburg zum Zuge, da werden auch Bayern arbeiten. Und Polen“, sagt Dietmar Woidke.

Bestens ausgebildetes Personal

Um Tesla werde Brandenburg in ganz Deutschland und halb Europa beneidet, fügt der Ministerpräsident hinzu. Die größte Investition der vergangenen 30 Jahre in Ostdeutschland sei dem Bundesland nicht geschenkt worden. „Die Entscheidung des Konzerns, in Grünheide zu bauen, hat mit der tollen wirtschaftlichen Entwicklung Brandenburgs zu tun“, urteilt er. Und führt die deutschlandweit vorbildliche nachhaltige Energiepolitik mit dem Schwerpunkt auf die Erneuerbaren sowie das hochmotivierte und bestens ausgebildete Personal als Gründe an.

Landkreis Barnim steht super da

Die Lausitz brauche wegen des beschlossenen Kohle-Ausstiegs besondere Zuwendung. „Aber das sollte für die Barnimer kein Grund sein, neidisch zu werden“, findet Dietmar Woidke. Schließlich habe der Barnim seinen Strukturwandel bereits nach der Wende durchlebt, als die Industrie nahezu flächendeckend zusammengebrochen sei. „Heute steht der Landkreis super da“, lobt der Ministerpräsident. „Da können die Barnimer ruhig auch ein bisschen stolz auf sich sein“, sagt er. Doch nicht nur den Barnimern, sondern allen Einwohnern dieses Bundeslandes würde eine gewisse „Brandenburger Grundfröhlichkeit“ prima zu Gesicht stehen.

Corona macht Wirtschaft zu schaffen

Zuversicht sei überdies ein probates Mittel, den Herausforderungen der Corona-Pandemie zu begegnen, betont Dietmar Woidke. Natürlich hätte die Zwangspause für das öffentliche Leben auch Brandenburgs Wirtschaft schwer getroffen. „Seither agieren wir alle im Krisenmodus“, sagt der Ministerpräsident. Doch die Milliardenhilfen von Bund und Land seien dazu geeignet, den angeschlagenen Unternehmen aus dem Tal zu helfen. Brandenburg habe mit Erfolg darauf gedrängt, dass die Kurzarbeiterregel verlängert werde. Jeder Einzelne könne dazu beitragen, dass es nicht zu einem zweiten Lockdown komme. „Wer im ÖPNV, in Arztpraxen und beim Einkaufen Maske trägt und Abstand hält, trägt dazu bei, dass die Infektionszahlen nicht erneut in die Höhe schießen“, erklärt Dietmar Woidke. Das helfe dem Gesundheitswesen und der Wirtschaft.

Taktverdichtung im Zugverkehr

Der öffentliche Personennahverkehr werde in Brandenburg weiter ausgebaut, kündigt der Ministerpräsident an. So werde es ab 2024 bei der RB 25 zwischen Berlin, Ahrensfelde und Werneuchen eine Verdichtung auf einen 30-Minuten-Takt geben. Und bereits ab Dezember 2020 sei auf der RB 63 zwischen Templin und Joachimsthal montags bis freitags ein zusätzliches Zugpaar am Abend vorgesehen.