"Vize-Europameister ist doch auch ein Erfolg", versuchte Trainer Martin Kleest die vier bis sechs Jahre alten Knirpse aus der Kita Kinderparadies zu trösten, die soeben im Finale gegen die Kita Spielhaus verloren hatten. Dabei war er selbst am Ende des Turnier heiser, so lautstark und enthusiastisch hatte er seine Mannschaft angefeuert.
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Bei der Eberswalder Kita-WM, die vor zwei Jahren ebenfalls im Fritz-Lesch-Stadion ausgerichtet worden war, hatten es wie wenig später in Brasilien Deutschland und Argentinien ins Finale geschafft. "Auch bei uns hat damals Deutschland gewonnen", erinnerte sich Götz Herrmann, erster Vorsitzender des FSV Lok mit 352 Mitgliedern, von denen 280 im Nachwuchsbereich trainieren. Allerdings hatte die Kita der Kinder- und Jugendakademie, die für Deutschland aufgelaufen war, die Kita Zwergenland e. V. alias Argentinien mit 2:0 besiegt und damit ein Tor mehr geschossen als der Weltmeister bei den Erwachsenen.
Wie vor zwei Jahren waren den Kitas die Nationen zugelost worden. Weil es vor dem Wettstreit vor allem wegen der hohen Temperaturen im Vorfeld Absagen gehagelt hatte, waren jedoch bei der Kita-EM nicht wie vorgesehen 16, sondern nur neun Kitas angetreten. Die Eberswalder Kita Sputnik hatte aber so viele einsatzbereite Spieler dabei, dass sie zwei komplette Mannschaften stellen konnte.
Ob die Ergebnisse der Kita-EM als Omen für das Turnier in Frankreich zu gebrauchen sind? Auf jeden Fall haben die begeisterten Zuschauer schon in den beiden Vorrunden packende Spiele gesehen. Absoluter Überflieger waren die Bergspatzen aus Liepe, die als Schweiz jedes der auf acht Minuten verkürzten Gruppenspiele gewannen und dabei Deutschland und Polen jeweils mit 4:0 vom Rasen schickten. Im Halbfinale hatten sich die Schweiz-Vertreter derart verausgabt, dass sie dem späteren Titelträger mit 1:2 unterlagen. Dafür war die Lieper Schweiz im Spiel um Platz 3 nicht zu bremsen und fertigte Belgien mit 5:0 ab. "Dabei wollten wir hier nur Spaß haben", verriet die Erzieherin Heidrun Meyer, die ihre Mannschaft gemeinsam mit dem Praktikanten Matthias Mannigel trainiert hatte. Das zweite Halbfinale konnte Deutschland mit 3:0 gegen Belgien gewinnen. Für Frankreich alias Kita Zwergenland e. V. reichte es in der Endabrechnung zwar nur für den fünften Platz. "Doch wir haben alles gegeben", betonte Lotta Zucknick (6) aus Eberswalde, die zugibt, selbst gar nicht so fußballbegeistert zu sein. "Da ist mein Bruder Hannes anders. Der ist 13 und spielt schon bei Energie Cottbus", verriet sie.
Die Kita Zwergenland ging mit dem ersten Platz im Wettstreit der Fanblöcke nach Hause. Sogar Cheerleader liefen für sie auf. Vizemeister der Anfeuerer wurde auch hier die Kita Kinderparadies alias Deutschland, Dritter die Kita Sonnenschein für Polen.
Trostpreis nach der Hitzeschlacht: Die abgekämpften Mädchen und Jungen der Kita Zwergenland e. V., die für Frankreich aufgelaufen und im Turnier Fünfte geworden sind, nehmen den Siegerpokal für den lautstärksten Fanblock mit nach Hause.Foto: MOZ/Sven Klamann
Torjubel in der Vorrunde: Daylen Kuschfeld (l.) hat für Deutschland (Kita Kinderparadies) gerade das 2:0 gegen Polen (Kita Sonnenschein) geschossen. Das ist auch der Endstand.Foto: Andreas Gora
Neun Kitas nehmen an Turnier im Fritz-Lesch-Stadion teil / Frankreich gewinnt Wettbewerb der Fanblöcke