Marie Schulze, eigentlich Mitarbeiterin des Amtes für Stadtmarketing im Rathaus, übernahm die Rolle der Moderatorin und reichte die Fragen der Eberswalder ans Stadtoberhaupt weiter. Das war natürlich vorbereitet, hatte sich in den Fachämtern erkundigt, um den Bürgern Auskunft geben zu können. Etwa zur Frage, wie der Stand bei der geplanten Sanierung der Max-Lull-Straße in Ostend ist.
"Maerker" rege genutzt
Dazu Boginski: Die Entwurfsplanung für die Erneuerung der Straße liegt vor. Im September soll die Stadtverordnetenversammlung den entsprechenden Baubeschluss fassen. Läuft bei der Ausschreibung alles nach Plan, könnte der Auftrag im Dezember vergeben und der Baustart im Frühjahr 2021 erfolgen. "Ein Jahr später sollten Sie eine gut ausgebaute Max-Lull-Straße haben", erklärt der Rathauschef, an die Anlieger gerichtet. Die dürften sich überdies freuen, dass ihr Geldbeutel bei dem Projekt geschont wird. Dank der Abschaffung der Straßenbaubeiträge in Brandenburg Mitte 2019 werden die Ostender nicht zur Kasse gebeten.
Kritik gibt es an der vermeintlich "schleppenden Bearbeitung" der Hinweise auf dem Portal "Maerker", wo Bürger bekanntlich Missstände melden können. Boginski wartet mit Zahlen auf: Im ersten Halbjahr 2020 seien auf "Maerker Eberswalde" 181 Hinweise eingegangen. Davon seien 14 "nicht relevant", etwa wenn Einwohner ein Dankeschön loswerden wollen. 59 Fälle befänden sich in Bearbeitung. In 22 Fällen sei die Stadt nicht zuständig. Aber immerhin 86 Fälle seien bereits erledigt. Aus Sicht des Bürgermeisters eine ordentliche Quote.
Neun Minuten später sind die "Zuschauer" um sechs Antworten schlauer. Die restlichen Auskünfte – insgesamt waren etwa zwei Dutzend Fragen im Rathaus eingegangen – gebe es schriftlich, heißt es hinterher aus der Pressestelle. Und auch die MOZ hat eine Frage: Ist die digitale Sprechstunde eine "Eintagsfliege" in Corona-Zeiten? Keineswegs, sagt der Bürgermeister im Telefoninterview. Für den Herbst sei eine weitere Online-Sprechstunde geplant. Daneben biete er aber auch weiterhin, ganz "oldschool", dienstags eine Präsenzsprechstunde an. Nach vorheriger Terminvereinbarung über sein Sekretariat.
Kamera statt Vis-à-vis
Am Anfang seiner Amtszeit seien die Sprechstunden stärker genutzt worden. Inzwischen gebe es auch Dienstage ohne Anmeldungen. Insofern sei das digitale Format vielleicht eine Chance, neue Zielgruppen zu erschließen. Dauerbrenner bei Sprechstunden wie auch Einwohnerversammlungen seien die Themen Verkehr und Bauen. Und soziale Fragen. "So wie eben jetzt bei der ersten digitalen Ausgabe."
Und wie erlebt er selbst seinen Auftritt vor der Kamera? Anfangs sei es schon sehr eigenartig gewesen. Aber nach einigen digitalen Grußbotschaften oder einer Online-Ausstellungseröffnung habe er inzwischen ein paar Erfahrungen sammeln können, sagt der Rathauschef. "Es ist schon etwas ganz anderes als ein konkretes Gegenüber zu haben." Als Lehrer sei er es gewohnt,  "Auge in Auge" zu arbeiten. "Du spürst anhand von Mimik und Gestik unmittelbar, ob das, was du sagst, ankommt und verstanden wird."
Weitere Antworten auf Bürgeranfragen auf www.eberswalde.de

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