Losgetreten hat die neue Phase der Annäherung ausgerechnet der kürzlich vorgestellte Entwurf des neuen Sportentwicklungskonzepts. Das treibt die Vereine um. "Wir wollen da nicht gegeneinander arbeiten, jede Sportstätte hat ihre Baustelle", sagt Götz Herrmann, 1. Vorsitzender von Lok. Danko Jur, Vereinschef von Preussen, meint: "Wir sind selbst Stadtverordnete und verstehen uns als Lobbyisten für den Sport." Lok und Preussen üben den Schulterschluss.
Seit einigen Wochen schon befinden sich beide Vereinsspitzen im regen Austausch. Es gab auch zwei Treffen mit dem Eberswalder SC und dem SV Motor Eberswalde. Die großen Klubs der Stadt machen sich neuerdings gemeinsam Gedanken, wo ihrer Meinung nach Investitionen in Sportstätten nötig sind. "Alle haben Bedarf, es muss mehr investiert werden", findet Loks 1. Vorsitzender Herrmann. Das will man auch gegenüber der Stadt kommunizieren.
Noch vor einigen Wochen wirkte es so, als stünde zwischen Lok und Preussen ein neuer Rosenkrieg bevor. Das Streitthema: Kunstrasenplatz. Preussen hat schon einen, seit 1999, der ist allerdings dringend sanierungsbedürftig. Lok hat keinen, hätte aber gern einen, da die beiden Naturrasenplätze und das Halbfeld bereits seit Längerem hoffnungslos überlastet sind.
Die Frage war: Wer gewinnt das "Duell"? Zuletzt war aus Rathauskreisen bekannt geworden, dass Preussen offenbar das Rennen gemacht hat - und Lok warten muss.
Dies sei aber in Ordnung, betont Loks Vorsitzender Herrmann nun. "Wir sehen, was Preussen für einen Bedarf hat." Jur entgegnet: "Lok hat auch Bedarf." Versöhnliche Töne sind das. Hauptsache, es wird investiert - das ist offiziell das neue Kredo der beiden Vereinsspitzen. Die Reihenfolge ist dabei zweitrangig. Nur vergessen werden will keiner.
Wann was gemacht wird, ist momentan aber offen. Erst wenn das neue Sportkonzept beschlossen ist, will die Stadtverwaltung konkrete Einzel-Maßnahmen in die Wege leiten. Und das könnte sich hinziehen, denn das Konzept ist umstritten. Vor allem der 1. FV Stahl Finow ist in Aufruhr (MOZ berichtete). Die Stadt will sich die Bewirtschaftung des Platzes am Wasserturm künftig sparen und die Anlage, die Stahl Finow bereits pachtet, komplett an den Verein übergeben. Damit will sich der Traditionsklub aber nicht so einfach abfinden. Er plant, eine Beschlussvorlage des Konzepts bei der entsprechenden Sitzung des Sportausschusses am 3. September zu verhindern. Der Diskussionsbedarf ist folglich groß, noch jedenfalls. Ob die Stadt ihren Fahrplan, das Konzept noch in diesem Jahr (Ziel: Dezember) einhalten kann, ist demnach fraglich.
Geld, um zum Beispiel zeitnah den Kunstrasen-Belag im Westendstadion zu erneuen, wäre im aktuellen Haushalt der Stadt für dieses Jahr vorhanden. Für Maßnahmen, die sich aus dem Sportkonzept ableiten, hat man zum normalen Investitions-Budget von 63 000 Euro zusätzlich ein Sportkonzept-Budget von 400 000 Euro eingestellt. "Das ist ein Extra-Posten", so Sozialdezernent Bellay Gatzlaff.
Einen Teil davon hat man bereits verplant, zur Reparatur der Tartanbahn und der Werferanlage im Lesch-Stadion. Kostenpunkt: ca. 122 000 Euro. Damit bleiben noch mehr als 250 000 Euro. Das würde reichen, um dem Kunstrasenplatz im Westendstadion einen neuen Belag zu verpassen.
Im Entwurf des Sportkonzepts ist das Thema Kunstrasenplatz bereits integriert. Es findet sich an der Stelle mit den Maßnahmevorschlägen. Dort wird fürs Westendstadion die "Erneuerung des Kunstrasenbelages" empfohlen. Fürs Lesch-Stadion heißt es: "Langfristig Schaffung eines Kunststoffrasenbelages".
Die Schaffung eines Kunstrasenplatzes ist auch im Rahmen des geplanten Ausbaus der Waldsportanlage vorgesehen, die in Finow für die Verwaltung gegenüber der Anlage am Wasserturm Priorität besitzt.
Sollte das Konzept, so wie es jetzt vorliegt, beschlossen werden, dann wäre beim Thema Kunstrasenplatz nur noch eine Frage zu klären: die Reihenfolge.