Des Reimes wegen mit langem I: "Frische Briese auf der Wiese" hat Paul Venuß  auf das Transparent gesprüht, das am Sonntag dort aufgehängt wurde, wo die Schomaker-Baugruppe aus Niedersachsen sieben mehrstöckige Häuser errichten will, von denen sechs einen Block bilden. Die Stadtverordneten hatten Ende April den Bebauungsplan für das Millionen-Projekt auf den Weg gebracht und zugleich betont, dass mit diesem Aufstellungsbeschluss noch nicht entschieden sei, ob die Investition überhaupt komme und was im Einzelnen genau gebaut werden solle.
Darauf setzen auch die Akteure von Recht auf Stadt, die für Sonntag zu einem Mitbring-Brunch auf dem seit dem Zweiten Weltkrieg brachliegenden 8000 Quadratmeter großen Grundstück eingeladen hatten. Das späte Frühstück, zu dem fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt wurde, war als Abschluss der ersten Aktionswoche der offenen Gruppe gedacht, die aus alteingesessenen und zugezogenen Eberswaldern besteht, die eine schleichende Verschärfung sozialer Ungleichheiten beklagen.
Mieten-Demo zum Auftakt
Recht auf Stadt kämpft vor allem dafür, dass in Eberswalde keine Stadtviertel entstehen, in denen nur Besserverdiener wohnen. Die Gruppe hatte Anfang April die erste "Demo gegen den Mietenwahnsinn" organisiert, auf der um die 100 vorwiegend junge Teilnehmer gezählt worden waren. "Das bleibt für uns ein ungemein wichtiges Thema", hob Paul Venuß am Sonntag hervor. Doch Recht auf Stadt wolle nicht allein in der Wohnungspolitik mitmischen. Vehement machen sich die Akteure überdies dafür stark, dass sie beim zweiten Versuch von Volksvertretern und Rathausspitze, die Brachfläche auf der Südseite der Friedrich-Ebert-Straße bebauen zu lassen, ein gehöriges Wort mitreden dürfen. "Wir finden es gut, dass bei diesem Vorhaben auch 30 bis 35 Wohnungen entstehen sollen. Aber auf die ebenfalls geplanten Ladenzeilen und vor allem auf die Komplettbebauung muss verzichtet werden", forderte Alina Grabley. Sie verwies auf die vielen Geschäfte, die in Eberswalde bereits leer stehen würden und für die sich keine Nachmieter finden ließen. "Und für eine Stadt wie Eberswalde, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben hat, wäre jede Blockbebauung ökologischer Irsinn", fand Leonie Acquavia.
"Uns ist es wichtig, dass die Vertreter aus dem Eberswalder Rathaus  mit dem Investor Klartext reden. Es darf nicht bloß um Kosmetik wie Dach- und Fassadenbegrünung gehen", hob Onina Elllinghaus hervor.
Zur Unterstützung bereit
Recht auf Stadt nehme Eberswaldes Baudezernentin Anne Fellner beim Wort, die im Stadtparlament zugesagt habe, dass es neben dem im Baugesetzbuch vorgeschriebenen formellen Beteiligungsverfahren weitere Möglichkeiten der Meinungsäußerung geben werde. "Darauf bestehen wir", kündigte Paul Venuß an.
Die Akteure der offenen Gruppe blieben am Sonntag nicht unter sich. Der Stadtverordnete Dietmar Ortel (CDU) hatte ihre Einladung zum Gedankenaustausch auf und über die Friedrich-Ebert-Wiese angenommen. Es sei an der Zeit, auch die Jugend an den Plänen für die Wiederbebauung der Brachfläche mitwirken zu lassen.  "Es ist eine große Stärke erfahrener Politiker, die notwendigen Entscheidungen in die Hände derer zu geben, die die Zukunft vor sich haben", erklärte der Stadtverordnete.