Der Bahnbetrieb auf der Linie Eberswalde - Joachimsthal bleibt erhalten. Darüber informierte am Mittwochabend das Landratsamt. Gleichwohl schlagen Bürgerinitiative "Streckenerhalt OE 63", Tourismusvereine sowie Kommunalpolitiker Alarm und warnen vor den Konsequenzen von Netzeinsparungen.
Die Mitglieder des Tourismusvereins Schorfheide-Chorin sind verunsichert. "Wir haben die Pläne der Landesregierung, die Strecke nach Joachimsthal stillzulegen, mit großem Befremden und Unverständnis zur Kenntnis genommen", sagt Vorsitzender Axel Ritter. Am Mittwoch früh traf sich der Vorstand gemeinsam mit Vertretern der Bürgerinitiative und des Regionalen Fördervereins, der Träger des Geoparks ist, zu einer Krisensitzung.
Immer wieder habe man von Landespolitikern zu hören bekommen, die Chance der Region liege im Tourismus. Also konzentrierten sich die Akteure auf den Tourismus. In den vergangenen Jahren sei viel zur Entwicklung entsprechender Angebote getan worden. Der Ausbau des Kaiserbahnhofs sei nur ein Beispiel. Dabei seien die Bedingungen nicht eben leicht gewesen, sagt Ritter und verweist u. a. auf den Schutzstatus des Biosphärenreservates. "Der Tourismus ist heute im ländlichen Raum ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, wenn nicht sogar der wichtigste überhaupt", erklärt der Friedrichswalder. Der Erfolg hänge aber in hohem Maße vom öffentlichen Personennahverkehr ab. Wenn das Land jetzt den Betrieb der Linie OE 63 einstellen würde, "dann beraubt man uns einer Lebensader".
Die Touristiker fordern deshalb nicht nur den Erhalt der Linie Eberswalde - Joachimsthal, sie machen sich auch für die Reaktivierung des Abschnittes Joachimsthal - Templin, der 2006 vom Netz ging, stark. Schorfheide-Chorin, Barnim-Uckermark - das sei für Urlauber und Ausflügler eine Region, heißt es in der Runde. Im Übrigen, darauf macht Volkmar Wagner aufmerksam, gebe es den Schienenersatzverkehr Joachimsthal - Templin per Bus, der seinerzeit eingeführt wurde, nur noch bis zum Jahresende. Was danach kommt? "Wir wissen es nicht", so der Betreiber des Kaiserbahnhofs.
In einem Protestschreiben an die Landesregierung wollen die 60 Mitglieder des Vereins ihrem Unmut ob der Pläne von Verkehrsminister Vogelsänger Luft machen. Doch dabei soll es nicht bleiben. "Es ist unstrittig, dass wir uns ebenso Gedanken darüber machen müssen, die Schiene mehr ins Bewusstsein zu rücken und mehr Passagiere zu gewinnen", ist sich der Vorstand mit Volkmar Ritter vom Regionalen Verein einig. Die Akteure wollen stärker für die Anreise per Bahn werben. Aber auch Koordinierung tue not, merkt Wagner an. Dies betreffe Taktfolge, Anschlüsse sowie saisonale Verbindungen. Dies betreffe aber auch Verantwortlichkeiten. Während das Land für den Bahnverkehr zuständig ist, liege der Busverkehr in der Hoheit der Landkreise, macht Wagner auf ein Problem aufmerksam. Die Verknüpfung der OE 63 mit der Werbellinseebuslinie am Kaiserbahnhof ab 1. Mai sei ein richtiger Schritt. Vor allem mit Blick auf die vielen Touristen, die per Rad in die Region kommen.
Auf den Zug angewiesen seien außerdem die Schüler, ergänzt Harald Lüderitz von der Bürgerinitiative. Täglich würden 120 Pennäler per ODEG nach Eberswalde pendeln. Althüttendorfs Bürgermeister Siegfried Ortlieb hält die Bahnverbindung nach Eberswalde für den Nachwuchs für lebenswichtig - und für alternativlos. Busse wären kein Ersatz, erst recht nicht im Winter. Statt Joachimsthal abzuhängen, sollten die Fahrpläne der OE 63 besser auf den Regionalexpress 3 abgestimmt werden, fordert Grünen-Politiker Axel Vogel aus Eberswalde. Dies würde die Attraktivität erhöhen. Momentan haben Reisende in Eberswalde bis zu 27 Minuten Aufenthalt.
Die Bürgerinitiative "Streckenerhalt OE 63" lädt am 13. April um 19 Uhr im Heidekrugsaal Joachimsthal zu einer Ideenkonferenz ein.