Pünktlich am Geburtstag Hermann Scheers, dem 29. April, konnte das Null-Emissionshaus eingeweiht werden: Ein Besucher- und Informationszentrum rund um das Thema erneuerbare Energien, mit dem der im Oktober 2010 verstorbene Umweltpolitiker und Träger des alternativen Nobelpreises gewürdigt wird.
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"Viel lieber hätten wir Hermann Scheer zu unseren Gästen gezählt", sagte Lothar Krüger, Vorsitzender des Eberswalder Informations-Centrums Holz-Energie (E.I.C.H.E. e. V.) anlässlich der Einweihung auf dem Gelände des Wald-Solar-Heims. Gekommen waren immerhin Scheers Witwe Irmgard Scheer-Pontenagel sowie Tochter Nina Scheer. Die Tochter, ebenfalls SPD-Politikerin, die in diesem Jahr in Schleswig-Holstein für den Bundestag kandidiert, nutzte die Einweihung, um gegen die Bundesregierung auszuteilen: Nicht die Aufhebung der Laufzeitverlängerungen für deutsche Atomkraftwerke infolge der Katastrophe von Fukushima sei der Beginn der Energiewende gewesen, sondern das Engagement von vielen, so auch Hermann Scheers.
Der innovative Bau am Schwappachweg nach Entwürfen des Architekten Thomas Winkelbauer trägt mit einer Reihe von Detaillösungen zur Umsetzung der Null-Emissions-Strategie des Landkreises bei. Eine geothermische Anlage samt Wärmepumpe sorgt dafür, dass im Winter nicht geheizt und im Sommer nicht mit Kältemaschine gekühlt werden muss. Lüftungsflügel in der Fassade öffnen und schließen automatisch. Ein Baukörper aus Beton wurde mit Holz verkleidet; das thermisch modifizierte Eichenholz der Fassade wurde in der Schorfheide geschlagen.
Rund drei Millionen Euro kostete das Bauvorhaben; gut zweieinhalb Millionen Euro davon kommen aus dem EU-Fördertopf Interreg IV A, die restlichen 450 000 Euro teilen sich das Land Brandenburg und der Landkreis Barnim. Die EU-Mittel sind infolge einer Kooperation mit dem polnischen Landkreis Koszalin geflossen; der dortige Partnerverein EkoERA plant an der Ostsee ebenfalls ein Informationszentrum.
Auch für das Innere des Hauses haben die Planer sich zeitgemäße Lösungen einfallen lassen. Als eine "Mischung aus Sandmännchen, Raumschiff Enterprise und "Der kleine Prinz"" bezeichnete der E.I.C.H.E.-Vorsitzende Lothar Krüger die Ausstellung im Untergeschoss, die anhand von interaktiven Modellen veranschaulicht, wie erneuerbare Energien funktionieren. Die Ausstellung wird sowohl deutsch-, polnisch- als auch englischsprachig erklärt.
Landrat Bodo Ihrke versprach, das Gebäude werde "kein Solitär, der in der Landschaft steht" sein. Vielmehr sollte damit dem Informationsbedarf von Bürgern Rechnung getragen werden, die auch selbst als Akteure an der Energiewende mitwirken könnten. Er betonte die Bedeutung regionaler Wertschöpfung.
Bürgermeister Friedhelm Boginski berichtete, dass auch Eberswalde gerade ein kommunales Energiekonzept in enger Anlehnung an den Landkreis erarbeitet, bei dem den erneuerbaren Energien hoher Stellenwert eingeräumt werde.
Sichtbeton und Holz: Die ersten Besucher nehmen das Foyer des Informationszentrums in Augenschein. Der mit thermisch behandeltem Eichenholz verkleidete Bau soll im Jahresmittel nicht mehr Energie verbrauchen als darin erzeugt wird; dazu trägt unter anderem eine Photovoltaikanlage auf dem Dach bei. Fotos (2): MOZ/Thomas Burckhardt
Gruppenbild: Thomas Simon, Leiter des Wald-Solar-Heims, Irmgard Scheer-Pontenagel, Nina Scheer und Lothar Krüger (v. l.)
Null-Emissionshaus am Schwappachweg trägt Namen Hermann Scheers / Dreisprachige Ausstellung