Die Bahn macht mobil. Doch nicht nur die. Auch das Amt Joachimsthal. Und zwar gegen die drohende Stilllegung der Bahnstrecke OE 63 Eberswalde - Joachimsthal. "Wir lassen uns nicht abhängen", protestieren die Barnimer Kommunalpolitiker lautstark.
Die Joachimsthaler sind kampferprobt. Schon einmal stand die Regionalbahnlinie OE 63 vor dem Aus. 2006 konnten die Barnimer, auch dank massiver Proteste, die Stilllegung abwenden. Zumindest teilweise. Die Strecke Eberswalde - Templin war "eingedampft" worden. Erhalten blieb der Teilabschnitt Eberswalde - Joachimsthal.
Nun steht auch dieser (wieder) zur Disposition. Wie Amtsdirektor Dirk Protzmann den Amtsausschuss von Joachimsthal informierte, wolle das Land Brandenburg entgegen früheren Aussagen die Strecke Eberswalde - Britz - Joachimsthal schließen und eine Lebensader der Region durchtrennen. Die Streichliste von Verkehrsminister Vogelsänger sehe eine "zeitnahe" Stilllegung vor. Für April seien bereits Entscheidungen angekündigt. Deshalb müsse man jetzt handeln, so Protzmann.
Die Runde verabschiedete sogleich einen Protestbrief. "Wieder einmal sollen Einsparungen auf Kosten des ländlichen Raumes stattfinden", machen die Bürgermeister und der Verwaltungschef in dem Schreiben ihrem Unmut ob der Landespolitik Luft. Zwar erreiche man auf der Strecke OE 63 nicht die vorgegebenen Fahrgastzahlen von 500 Passagieren täglich. Durchschnittlich würden derzeit 250 bis 300 Kunden die Bahn nutzen, bei steigender Tendenz. Ein Aufkommen, das aus Sicht der Joachimsthaler "auf Dauer durch Buslinien nicht abgefangen werden kann". Denn: Nicht nur Schüler und Berufspendler steigen in den gelb-grünen Triebwagen der ODEG, sondern auch viele Touristen, die von Berlin in die Schorfheide pilgern. Darunter zahlreiche Ausflügler mit dem Fahrrad. Die Zusammenarbeit mit der ODEG, so betonen die Unterzeichner, gestalte sich dabei hervorragend. Und auch für 2012 seien gemeinsame Aktionen geplant, um noch mehr Reisende auf die Schiene zu bekommen. Im Übrigen dürfte es dem Steuerzahler kaum zu vermitteln sein, "dass vor gerade einmal sechs Jahren auf der Strecke Britz - Joachimsthal eine zweistellige Millionensumme verbaut und im letzten Jahr im Bereich der Stadt Joachimsthal ein Bahnübergang für 450 000 Euro saniert wurde, um die Strecke nur Monate danach stillzulegen". Der ländliche Raum "lebt und möchte auch künftig überleben", appellieren die Joachimsthaler an die Landespolitiker, um ihrer Verpflichtung zur Daseinsfürsorge auch abseits der Ballungszentren nachzukommen.
Auf die besondere Bedeutung der Linie OE 63 und die Spezifik der Strecke weist ebenso der Barnimer Landrat in einem Brief an Minister Vogelsänger hin. Bodo Ihrke will mit seinem Schreiben vor allem Argumente für einen Erhalt der Strecke liefern, formuliert er sein Ansinnen. Dazu gehöre demnach u. a. die Rolle des Haltepunktes Joachimsthal Kaiserbahnhof, symbolisch das "touristische Eingangstor zur Schorfheide". Aus diesem Grund würden die Ämter Joachimsthal, Britz-Chorin-Oderberg und die Gemeinde Schorfheide auch eine Vernetzung der Bahnhofsfahrradstationen Kaiserbahnhof, Chorin und Groß Schönebeck anstreben. Zugleich will die Barnimer Busgesellschaft BBG 2012 den seit Jahren verkehrenden Werbellinseebus am Kaiserbahnhof mit den Zügen von und nach Eberswalde bzw. Berlin verknüpfen, macht Ihrke deutlich. Darüber hinaus sei die Strecke für die Erreichbarkeit des Geoparks "Eiszeitland am Oderrand" und des Weltnaturerbes Grumsin enorm wichtig und "unverzichtbar", hofft der Landrat auf ein positives Votum für Eberswalde - Joachimsthal.
Die Regionalbahnlinie OE 63 wird durch die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft ODEG bedient. Diese verkehrt montags bis freitags zwischen 4.30 und 20.30 sowie an den Wochenenden zwischen 8.30 und 19.30 Uhr beinahe durchgehend im Stundentakt. Haltepunkte auf der Strecke sind Britz, Golzow, Althüttendorf sowie Kaiserbahnhof Joachimsthal.
Wie Jens-Uwe Schade, Pressesprecher im brandenburgischen Verkehrsministerium, auf Anfrage sagte, sei derzeit "das Gesamtpaket in Arbeit". Anfang April werde Minister Vogelsänger den Vorschlag präsentieren. Gleichzeitig bestätigte er, dass bereits aus etlichen Landesteilen Protestbriefe eingehen.
Der Zug ist noch nicht abgefahren: Doch das Land Brandenburg will die Strecke Eberswalde - Joachimsthal stilllegen. In der Region formiert sich Widerstand gegen die Pläne. Betroffen wäre auch der Kaiserbahnhof, den die Stadt Joachimsthal mit großem Aufwand saniert hat. Foto: MOZ/Thomas Burckhardt