Auf die Resonanz der Eberswalder ist Sven Gumbrecht schon jetzt mehr als gespannt. Der gemeinnützige Verein, den er vertritt, wurde erst im Oktober vergangenen Jahres aus der Taufe gehoben. Seit Februar dieses Jahres ist er auch im Vereinsregister zu finden. Der Name Hebewerk hat nicht nur mit der Nähe zum Schiffshebewerk Niederfinow zu tun, sondern auch mit dem Anspruch, etwas in Bewegung zu setzen. "Zum Beispiel weniger Müll zu produzieren. In einer Zeit, in der alles ständig und günstig zur Verfügung steht, ist das Reparieren aus der Mode gekommen, leider zu Lasten des Ressourcenverbrauchs", sagt Sven Gumbrecht.
Das Repair-Café, mit dem sich Hebewerk am morgigen Freitag von 14 bis 17 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum an der Eisenbahnstraße 84 präsentieren will, soll eine Alternative zeigen. "Wer zu uns mit einem defekten Gerät kommt, muss nur den Willen mitbringen, selbst Hand anzulegen. Wie es geht, zeigen Fachleute. Als Konkurrenz zum Handwerk sind wir allerdings nicht zu verstehen", erklärt Sven Gumbrecht, gelernter Elektrotechniker, mittlerweile aber selbstständiger Jurist. Freiberufler sind auch die anderen neuen Vereinsmitglieder. So unterschiedlich die Palette des Brötchenerwerbs, so breit gefächert ist auch die altersmäßige Zusammensetzung. Das jüngste Mitglied ist Mitte 20, das älteste gerade 50 Jahre alt geworden. Die meisten sind auch in anderen Initiativen aktiv, die sich in Eberswalde bereits einen Namen machen konnten, wie WandelBar, der im Februar mit einer Tauschbörse für altes Saatgut an die Öffentlichkeit gegangen war.
"Das Repair Café ist auch dazu gedacht, Menschen in der Nachbarschaft auf neue Art zusammenzubringen. Bei der Gelegenheit lassen sich auch vergessen geglaubte Fähigkeiten neu entdecken, und was noch viel wichtiger ist, neue Kontakte knüpfen", kommt Sven Gumbrecht ins Schwärmen.
Hilfreiche Unterstützung gibt es am Freitag nicht nur, wenn es darum geht, einen Fön oder Toaster wieder in Gang zu setzen, sondern auch bei Mottenlöchern in Kleidungsstücken oder schleifenden Rädern. "Alles, was nicht mehr funktioniert, kaputt oder beschädigt ist, kann mitgebracht werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Reparatur gelingt, ist groß", hofft Sven Gumbrecht auf eine breite Resonanz.
Das Konzept übrigens stammt aus Amsterdam. Dort wurde im Jahr 2010 die Stiftung "Stichting Repair Café" gegründet, die seit 2011 auch örtliche Gruppen in Deutschland unterstützt, das Repair Café Eberswalde gehört dazu. In der Barnimer Kreisstadt das erste Mal ins Gespräch gebracht wurde die Idee beim Stadtforum, als es darum ging, Umwelt- und Klimaschutz in Eberswalde deutlich zu verbessern. "Da haben Mitglieder unseres Vereins mit an den Tischen gesessen. Unsere Anregungen waren gut angenommen worden", erinnert Sven Gumbrecht.
Das Repair Café am Freitag soll keine Eintagsfliege bleiben. Noch aber ist der Verein auf der Suche nach geeigneten Räumen. Das Evangelische Gemeindezentrum an der Eisenbahnstraße 84 ist nur eine Zwischenstation, die durch den Kontakt zur Freiraum-Initiative möglich wurde. Auf den Testlauf aber sind die Hebewerk-Mitglieder allemal gespannt. Für Café zwischen 14 und 17 Uhr ist gesorgt. Und auch ein Stück Kuchen soll dabei sein. Kosten sollen den Besuchern keine entstehen. Sie reparieren ja auch selbst.
Selbst ist der Mann: Manchmal genügt nur ein wenig Geschick, das im Repair Café gern vermittelt wird. Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Neugegründeter gemeinnütziger Verein Hebewerk geht mit Repair Café in den Testlauf