Der Rote Brodowiner hat die Prüfung bestanden. Beim großen Käsecheck des Verbandes für handwerkliche Milchverarbeitung im ökologischen Landbau wurde er jüngst mit einem Qualitäts- und einem Publikumspreis ausgezeichnet.
Die Einführung in den Markt sei gelungen, sagt Peter Krentz, Geschäftsführer des Landwirtschaftsbetriebs Ökodorf Brodowin. Der Rote Brodowiner habe die Bedientheken der Bio-Märkte und den Ökokorb erobert - mit "einem stabilen Absatz".
Nicht nur Kunden sind auf den Geschmack gekommen. Auch bei der 8. Käseprüfung des Fachverbandes jüngst in Schwäbisch Hall bestand der Rote Brodowiner. Die Preise, die der Weichkäse aus dem Ökodorf auf dem süddeutschen Käsemarkt holte, seien Anerkennung und sie "ermutigen uns auf dem eingeschlagenen Weg", so Krentz.
Nach dem Neubau der Meierei versucht der Betrieb, schrittweise das Sortiment zu erweitern. "Wir wachsen am Markt", sagt der Geschäftsführer. Dank neuer Technik können jetzt knapp drei Millionen Liter Milch pro Jahr verarbeitet werden. 1,6 Millionen liefern die eigenen Kühe, den Rest kaufe das Unternehmen dazu. Von vier Höfen, die "selbstverständlich ebenfalls nach den demeter-Richtlinien arbeiten", darunter der Betrieb von Michael Langanke in Serwest.
Nach dem Weichkäse wollen die Brodowiner einen halbfesten Schnittkäse entwickeln, den Brodowiner Bauernkäse. Krentz hofft, dass das Produkt nach den Sommerferien reif ist und in den Handel geht. Angeboten werden soll es in verschiedenen Geschmacksrichtungen.
Darüber hinaus investiert der Ökobetrieb derzeit in den Kuhstall. Ein neuer Melkstand wird installiert - für rund 150 000 Euro. "Der Vorteil liegt in einer schonenderen Milchgewinnung", erklärt der Fachmann. Zudem vereinfache sich für die Melker die Arbeit. Und die Anlage ist mit einem neuen Reinigungssystem ausgestattet. Innerhalb der nächsten vier Wochen soll die Umrüstung vollzogen werden. Die Neuanschaffung wird vom Land gefördert. Zum Brodowiner Tierbestand gehören etwa 200 Milchkühe. Hinzu kommt die Nachzucht.
Kapazitätserweiterung in der Molkerei, Ausbau der Produktpalette, Modernisierung des Kuhstalls - der Landwirtschaftsbetrieb bereitet sich auf die Abschaffung der sogenannten Milchquote in der EU vor. Wenn diese 2014/15 fällt, könne jeder Milchbauer theoretisch so viel Milch produzieren, wie er will, erläutert Krentz. Allein: Er muss die Milch verkaufen können. Der Preis entscheide. Der Geschäftsführer geht davon aus, dass die Zahl der Milchproduzenten weiter sinken wird. Vor allem kleine Landwirte hätten es schwer, sich am Markt zu behaupten.
Aktuell sind es im Barnim noch 20 milcherzeugende Betriebe (mit 4900 Milchkühen). Wobei Brodowin zu den größten gehört. In puncto Milchmenge nehme das Unternehmen unter den Ökobetrieben in Brandenburg sogar den zweiten Platz ein, sagt Krentz. Die Jahresleistung der Brodowiner Kühe liegt bei gut 8000 Liter pro Tier. Dies sei schon ein Spitzenwert.
Frische und Regionalität - damit will Brodowin auch künftig beim Verbraucher punkten. Dies gelte nicht nur für die Milchprodukte, sondern auch für alle anderen Erzeugnisse, vor allem natürlich für das Gemüse aus eigenem Anbau. "Wir hoffen auf ein sehr gutes Gemüsejahr", ist Krentz zuversichtlich. Der Barnim sei vom Bodenfrost im Frühjahr verschont geblieben. "Wir haben sehr saubere und gute Bestände", lobt der Geschäftsführer den Einsatz der Gemüsebau-Truppe um Bert Wolbrink. Die Salaternte habe begonnen. Es folgen Gurken, Tomaten und Frühkartoffeln.
Wie Öko schmeckt, davon können sich Barnimer, Uckermärker oder Berliner am Sonnabend beim traditionellen Hoffest im Rahmen der Brandenburger Landpartie überzeugen. Die Meierei präsentiert Spezialitäten auf einem "Brodowiner Teller" - Bio also zum Probieren. Daneben sorgen u. a. eine Mit-Mach-Koch-Show für Kinder, Hofführungen, ein Märchenerzähler sowie ein Minimusical mit dem Titel "Die Wutkuh" für Kurzweil zwischen Gewächshäusern und Hühnermobil.
Hoffest des Landwirtschaftsbetriebs und Aktionstag der Biosphäre: Sonnabend 11 bis 18 Uhr, Eintritt für Erwachsene zwei Euro (Kinder frei); zwischen Bahnhof Chorin und Betrieb gibt es einen kostenlosen Bus-Shuttle