„Alle sind eingeladen“, so hieß das erklärte Motto des zweiten Straßenfestes in der Ruhlaer Straße am Sonnabend. Darüber hinaus seien auch Ideen für die Gestaltung des Festes willkommen, hatten die Veranstalter  in ihrer Einladung erklärt.
Eine bunte Vielfalt kulinarischer und kreativer Einfälle war allerdings schon vor Ort anzutreffen. So hatten Kinder in einer Keramikwerkstatt die Gelegenheit, selbst zu töpfern. So wie die zweijährige Lore, die mit ihrem Vater Thorsten Perl den Ton formte. Justus (7) zeigte sich ebenfalls begeistert. Für den Gaumen erwiesen sich gefüllte Risottobällchen als absoluter Renner, wie allerorten zu vernehmen war.
Den Erwachsenen gefiel das Fest nicht minder. So wie Martin Appel aus Finow. Der Gemeindepädagoge konnte sich insbesondere für den Gedanken der Bewahrung der Schöpfung durch eine bewusste Lebensweise und Ernährung erwärmen. „Ich finde das gut“, so sein Bekenntnis. An anderer Stelle durfte man per Büchsenwurf den Kapitalismus zu Fall bringen. In den Hinterhöfen konnte man unterschiedlicher Musik lauschen und Trödelmärkte entdecken.
Der Austragungsort des Festes war bewusst gewählt. Die Tatsache, dass insbesondere in der Ruhlaer Straße viele Gebäude nicht oder wenig saniert wurden, habe einer Gentrifizierung bisher erfolgreich entgegengewirkt – so sehen es die Veranstalter. Zahlreiche einzigartige Orte haben dort bis heute Bestand.
Doch auch über dieser scheinbaren Oase schwebt das Damoklesschwert der Luxussanierung, wie sie ein paar Straßen weiter bereits umgesetzt wurde. Eine Podiumsdiskussion brachte ein wenig Licht in die unterschiedlichen Standpunkte und Meinungen, die diesbezüglich in der Waldstadt vorherrschen. Daran nahmen in einer ersten Runde Nancy Kersten aus dem Rathaus, Hans-Jürgen Adam, Geschäftsführer der Wohnungs- und Hausverwaltungs-GmbH, der Liberale Götz Trieloff, Johannes Creutziger (Bündnis 90/Die Grünen) und SPD-Mann Hardy Lux teil.
In teils kontroverser Diskussion ging es um die Stadtentwicklung und Zukunftsvisionen. So forderte Lux einen stärkeren Fokus auf die Durchmischung der Wohnbelegung. Hans-Jürgen Adam hielt entgegen, dass die hohen Sanierungskosten der Altbauten zwangsläufig höhere Mietpreise nach sich zögen.
„Ich darf diese teuren Wohnungen zwar putzen, kann sie mir aber selbst nicht leisten“, prangert eine Stimme aus dem Publikum das Auseinanderdriften der Gesellschaft an. Gerade einer solchen Entwicklung erteilten die Straßenfestorganisatoren eine klare Absage. Vielmehr ging es um das Sich-Kennenlernen, Mitgestalten, den Zusammenhalt und alternative Wohnmöglichkeiten.
Neben vielen anderen haben am Zustandekommen und Gelingen des Festes die Vereine Hebewerk und Alnus, die Initiative wandelBar, die Gaststätte Haltestelle, die Selbsthilfefahrradwerkstatt sowie der Regionalladen Krumme Gurke von der Ruhlaer Straße mitgewirkt. Ein bunt gemischtes Publikum und mehrere Hundert Besucher waren der verdiente Lohn. (maw)