Die unansehnlichen Blöcke an der Eberswalder Straße sind seit Jahren immer wieder ein Thema der Einwohnerversammlungen in Finow. Das ehemalige Wohnheim steht nur noch als entkerntes Gerüst. Die beiden Blöcke, in denen vor Jahren Arbeits- und Finanzamt ihren Sitz hatten, sind weiterhin dem Verfall preisgegeben. Über den Anblick an der vielbefahrenen Bundesstraße ist auch die Stadt nicht glücklich. Ein Grund, warum das Rathaus nach langem Hin und Her dem Investor 2008 doch noch eine Baugenehmigung erteilt hat. Das rund 30 000 Quadratmeter große Grundstück einschließlich der drei fünfgeschossigen Blöcke hatte das brandenburgische Finanzministerium im Sommer 2007 an die WK Grundstücksverwaltung Nr. 50 GmbH, ein Tochterunternehmen der Marseille-Kliniken verkauft.
319 barrierefreie Kleinwohnungen sollten dort entstehen. Potenzielle Mieter sollten Hartz-IV-Empfänger, Senioren und Alleinstehende sein. Für eine solch massive Wohnbebauung an dieser Stelle sah die Stadt erhebliche Probleme und reagierte mit Auflagen. Seit Monaten rührt sich nun gar nichts mehr. Und selbst dem Rathaus sind die Hände gebunden. „Es gibt einen rechtsmäßigen Eigentümer und eine rechtskräftige Baugenehmigung“, bestätigt Baudezernentin Anne Fellner. Letzteres ist sechs Jahre gültig. So lange besteht auch Baurecht.
An die Umsetzung der Baupläne will die Baudezernentin nicht so recht glauben. Der demografische Wandel, vor dem die Barnimer Kreisstadt steht, habe auch Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt. Wenn Neubau gefördert werde, dann ausdrücklich nur noch in den Zentren von Eberswalde und Finow. „So eine Entscheidung wie 2008 würde heute aus städtebaulicher Sicht nicht mehr getroffen“, macht die Baudezernentin keinen Hehl. „Das unterstreicht nur den negativen Bandstadtcharakter Eberswaldes“, fügt Anne Fellner hinzu. Diese Einschätzung findet sich auch im künftigen Flächennutzungsplan der Stadt wieder, an dem derzeit intensiv gearbeitet wird. Dort wird sowohl das Grundstück mit den drei in Privatbesitz befindlichen Blöcken als auch das einstige Kulturhaus „Las Vegas“ als renaturierte Grünfläche ausgewiesen. Für den Abriss des früheren Kulturhauses an der Eberswalder Straße sind die Fördermittel jetzt bewilligt. Zurzeit läuft das Submissionsverfahren. Im Frühjahr soll der Schandfleck endgültig verschwinden. „Der Flächennutzungsplan gibt die Denkrichtung vor. Im Falle der drei Mehrgeschosser sei die Stadt aber auch zu Kompromissen bereit. „Wir sind sehr daran interessiert, dass die Ruinen verschwinden“, so Anne Fellner.