Die fast zur Ruine verkommene, dadurch nur mühsam begehbare und dennoch immer noch absolut sehenswerte Schillertreppe wird spätestens ab Oktober saniert. Aus Kostengründen verzichtet die Rathausspitze darauf, auch Brunnen und Speier wieder herzurichten.
Der zwischen 1902 und 1905 als Moltkebrücke erbaute Blickfang verbindet die Unterstadt mit dem Barnimplateau. Doch beinahe jede der 58 Treppenstufen ist in eine Schieflage geraten. Wer sie besteigt, wäre leichtsinnig, wenn er dabei nicht auf jeden seiner Tritte achten würde. So lässt sich das anerkannte Einzeldenkmal nur schwer genießen.
Der städtische Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt hat jetzt den Beschluss befürwortet, die Schillertreppe sanieren zu lassen. Wenn in der kommenden Woche auch noch der Hauptausschuss zustimmt, steht der Investition nichts mehr im Wege, die etwa 265 000 Euro kosten soll. Wäre die Entscheidung pro Brunnen und Speier ausgefallen, hätte dies das Vorhaben weiter verteuert. Das hat Eberswaldes Baudezernentin Anne Fellner im Ausschuss mitgeteilt und auf die Variantenrechnungen verwiesen. Die Wiederherstellung des Brunnenbeckens hätte allein Baukosten von gut 30 000 Euro verursacht, der Speier mit Pflanzbeet wäre für knapp 25 000 Euro zu haben gewesen. Die Bauverwaltung favorisiert das Pflanzbeet ohne Speier, das mit etwas mehr als 20 000 Euro veranschlagt ist. Unterschiede gibt es auch bei den Folgekosten: Wasser, Abwasser, Strom, Pflege und Wartung wären beim Brunnen mit 4600 Euro, beim Speier mit 4900 Euro und beim Beet mit 1100 Euro jährlich zu veranschlagen.
"Das Wasserbecken hätten wir uns alle gewünscht. Aber Bau und Unterhaltung wären uns so teuer gekommen, das wir von Luxus sprechen müssen. Und den sollten wir uns eher für Standorte im Zentrum aufsparen", sagte Anne Fellner.
Im Unterschied zu den ersten Überlegungen wird es an der Schillertreppe im Handlauf keinen LED-Leuchtstreifen geben. "Wir befürchten, dass die Beleuchtung nicht gereicht hätte", erklärte die Baudezernentin. Stattdessen sollen jetzt Lichtstelen aufgestellt werden, wie es sie bereits am Karl-Marx-Platz und auf dem Bahnhofsvorplatz gibt. Dies sei auch mit dem Denkmalschutz abgestimmt, zerstreute Anne Fellner Bedenken, die Hans-Jürgen Müller, sachkundiger Einwohner für die Linke, geäußert hatte.
Für Bündnis 90/Die Grünen fragte Karen Oehler an, ob die Leuchtpunkte an der Schillertreppe nicht eigentlich überflüssig seien. "Wir sprechen in den Städten ja schon von Lichtverschmutzung", sagte sie. Es sei zweifelhaft, ob die Treppe nach Anbruch der Dunkelheit noch rege genutzt werde.
"Am Aufstellen der Lichtstelen kommen wir nicht vorbei, wenn wir uns an den Stadtverordnetenbeschluss für ein barrierefreies Eberswalde halten wollen", entgegnete die Baudezernentin.
Das ehemalige Brunnenbecken soll mit Stauden und Blumen bepflanzt werden, die für etwa zehn Monate im Jahr für einen blauen Blütenteppich sorgen.