Vorsichtig ritzt Kornelia Eberhardt mit einer Stricknadel Buchstaben in den Ton. "Rittersporn" ist auf dem Pflanzschild zu lesen, das einmal ihren Garten zieren soll. "Damit die Schnecken wissen, wo sie ihn finden", sagt sie schmunzelnd.
Die Altenhoferin ist Teilnehmerin des neuen Töpferkurses, den die WBG ab sofort alle 14 Tage donnerstags anbietet. Unter Anleitung von Marina Schlaak können Keramik-Fans und solche, die es werden wollen, sich mit der Jahrtausende alten Handwerkstechnik vertraut machen. Die Freizeitkünstlerin aus Altenhof betreut verschiedene "Do it yourself"-Angebote auf dem Kreativdeck in der zweiten Etage des Freizeitschiffs. Sie hatte auch die Idee für den Töpferkurs. Die 56-Jährige wollte ihre "verschüttete Erfahrung", wie sie es selbst nennt, weitergeben. Zu DDR-Zeiten hatte Marina Schlaak eine Keramikwerkstatt in der Eisengießerei in Britz aufgebaut. Auch privat arbeitet sie mit dem Werkstoff Ton.
Sie selbst fertigt heute einen Vogel in der sogenannten Einformtechnik. Dafür hat sie zunächst eine hohle Halbkugel hergestellt. Diese formt sie anschließend zu einer spitzen Eiform, verbindet die Nähte mit Schlicker, einem Tonbrei. Während sie die Masse geduldig glatt streicht und anschließend Schwanzfedern ansetzt, erzählt sie Wissenswertes über Ton und seine Verarbeitung.
Es ist eine meditative Arbeit, das sieht man den Frauen an. "Beim Töpfern habe ich nie negative Gedanken", sagt Marina Schlaak. Kornelia Eberhardt stimmt ihr zu: "Man wird dabei ruhig, schafft etwas Schönes. Und manchmal entsteht sogar etwas, das man gar nicht geplant hat." Für die 58-Jährige ist die kreative Arbeit mit dem Ton ein Stück Lebensfreude. Und zudem kommunikativ, denn gerade in der Gemeinschaft entstünden gute Ideen.
Diesen Gedanken teilt auch Kursleiterin Marina Schlaak. "Wohnen heißt auch Zusammenleben", sagt sie. Deshalb freue sie sich sehr darüber, dass die WBG neben ihrer Hauptaufgabe, Wohnungen zu vermitteln, auch die Menschen zusammenbringt. "Ich finde es schön, dass es hier im Freizeitschiff die Möglichkeit gibt, sich zu begegnen und sich so noch heimischer zu fühlen." Das Lob gibt Claudia Riethbaum, Mitarbeiterin des WBG-Vorstands, gerne zurück. Auch sie unterstreicht den Gemeinschaftsgedanken und freut sich über die kreativen Ideen von Marina Schlaak: "Wir zehren sehr von ihrer Arbeit".
Eine Töpferscheibe gibt es nicht, denn die erfordert viel Übung. "Da kann einem noch im letzten Moment alles auseinanderfliegen", weiß Kornelia Eberhardt aus eigener Erfahrung zu berichten. "Da hat man als Anfänger keine Erfolgserlebnisse." Gearbeitet wird daher mit bloßen Händen oder verschiedenen Töpferwerkzeugen, Drahtschlingen, Küchenutensilien oder eben Stricknadeln. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. "Ob Dekoratives oder Gebrauchsgegenstände - fast alles kann aus Ton geformt werden", erzählt Marina Schlaak. Wer gerne mit Ton arbeiten möchte, aber noch keine rechte Idee hat, dem hilft Marina Schlaak aus. Ist das Werkstück fertig modelliert, wird es zunächst vorsichtig vorgetrocknet und anschließend zweimal bei bis zu 1200 Grad gebrannt. Dafür können die Töpfer den Brennofen des Familienzentrums in der Potsdamer Allee nutzen. Ob man das gebrannte Kunstwerk noch glasiert, mit farbigem Ton verziert oder einfach ganz pur lässt - ein Unikat hat man in jedem Fall.
WBG-Freizeitschiff, Prignitzer Straße 48. Die nächste Töpferstunde findet am 23. April von 10 bis 12 Uhr statt. Die Teilnahmegebühr beträgt fünf Euro zuzüglich Materialkosten. Infos und Anmeldung bei Marina Schlaak unter Tel. 033363 46123 oder www.wbg-eberswalde-finow.de.